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Bergeweise Fleisch: Die Argos-Platte im »Pallas«

Es gibt Abende, die sich einfach zufällig so ergeben – unplanmäßig, spontan, und am Ende doch besser als erwartet. Mein Teenager-Sohn und ich hatten an einem Montagabend im Januar eine lähmend langweilige Pflicht-Schulveranstaltung in Springe besucht. Springe. Für alle, die sich das gerade auf der Karte suchen: das ist diese verschlafene Kleinstadt südlich von Hannover, an der man normalerweise vorbeifährt, ohne innezuhalten. Und genau darum wohnen wir da.

Als die Veranstaltung mit starkem Verzug endete, war es längst Abendessen-Zeit, wir hatten Hunger, und das »Pallas« – ein griechisches Restaurant, an das ich mich noch aus meiner 40 Jahre zurückliegenden Jugend erinnerte – war offen. Also: hinein!

Das Ambiente

Das Restaurant Pallas ist eine Zeitkapsel aus den späten 1980er Jahren.

Das »Pallas« ist das, was ich liebevoll als »klassisch griechisch« bezeichnen möchte. Und damit meine ich nicht das moderne, aufgeräumte griechische Restaurant mit weißgetünchten Wänden und dezenten blauen Akzenten, sondern den Dorfgriechen der 1980er und 1990er Jahre.

Seit meinem letzten Besuch vor 30, 40 Jahren hatte sich so gut wie nichts verändert: Holzverkleidungen, gepolsterte Sitzbänke mit floralen Bezügen, eine wuchtige Theke aus dunklem Holz mit Barhocker-Bestuhlung, Kieselsteindekoration, eine kitschige Statue aus Fake-Marmor als Raumteiler – und ein Schild »Vorsicht Stufe!«, das einem sagt, dass man hier wirklich aufpassen sollte, wo man hintritt.

Das könnte auch eine deutsche Kneipe sein.

Das klingt jetzt schlimmer als es ist. Das »Pallas« ist gemütlich. Es war (anders als draußen, wo es echt ungemütlich war an diesem Januarabend) warm, es war belebt, und es hatte diese angenehme Patina eines Lokals, das seit Jahrzehnten existiert und von seinen Stammgästen geliebt wird.

Wer moderne Restaurantästhetik sucht, ist hier falsch. Wer einfach nur in Ruhe essen möchte, ist genau richtig.

Der Service

Bedient wurden wir von einem älteren Herrn. Aufmerksam, freundlich, unkompliziert. Mehr brauche ich dazu nicht zu sagen, und ich sage es als jemand, der schon sehr viel schlechteren Service erlebt hat. Niemand hat uns unter Zeitdruck gesetzt, niemand war aufdringlich. Das Essen kam angemessen schnell (oder angemessen langsam?), und wenn wir neue Getränke haben wollten, war der Herr ziemlich schnell da. Einfach gut.

Die Bestellung

Ich schaute mir die Karte an, und natürlich landete ich bei den Platten. Die Karte des »Pallas« ist in dieser Hinsicht bemerkenswert klischeehaft strukturiert: Die meisten Platten sind nach einer Figur der griechischen Mythologie benannt und kombiniert verschiedene griechische Gastro-Klassiker. Da gibt es etwa die Helena-Platte. Was die legendär schöne Königin von Sparta und Auslöserin des Trojanischen Krieges mit Gyros und Souvláki zu tun hat, erschließt sich mir jedoch nicht. Oder die Eirene-Platte, benannt nach der Friedensgöttin und Tochter von Zeus, die Gyros und zwei Suzukakia umfasst. Und dann, womöglich benannt nach dem Hund des Odysseus, die Argos-Platte.

Hund hin oder her (ich bin mehr so der Katzenmensch), die Argos-Platte hatte es mir angetan: Gyros, ein Souvláki und zwei Suzukakia für 18,60 €.

Bestellt.

Mein weniger experimentierfreudiger Teenager entschied sich – wie immer bei einem griechischen Lokal – für einen einfachen Gyros-Teller. Solide Wahl, aber etwas langweilig für mich. Naja, Teenager halt.

Die Argos-Platte

Die Argos-Platte im Restaurant Pallas in Springe: Gyros, Souvlaki, 2 Suzukakia, Pommes frites, Zwiebelringe, Salatblatt mit Tzatziki
Die Argos-Platte im Restaurant Pallas in Springe: Gyros, Souvlaki, 2 Suzukakia, Pommes frites, Zwiebelringe, Salatblatt mit Tzatziki

Was dann auf den Tisch kam, war – und ich sage das ohne jede Übertreibung – eine riesige Portion. Der große Teller war voll bis an die Ränder. Ein Berg von Fleisch: Gyros, Souvláki, zwei Suzukakia, dazu Pommes, Zwiebelringe, eine Zitronenspalte und ein ordentlicher Klecks Tzatziki. Das war keine Mahlzeit. Das war eine Aussage.

Das Gyros

Das Gyros im »Pallas« bestand aus relativ kleinen Fleischstückchen – meistens habe ich Gyros eher in dickeren Stücken erlebt. Hier war es kleiner, kompakter, filigraner. Aber: es schmeckte. Und wie. Der Geschmack war zurückhaltend in der Würze – kein Knoblauch-Bombardement, keine aggressive Marinade –, aber trotzdem intensiv. Da war irgendwie Tiefe drin. Etwas, das ich nicht sofort benennen könnte, das mir aber angenehm auf der Zunge blieb.

Für mich war diese Komponente eine hervorragende Schulnote 2+.

Das Souvláki

Klassisch besteht Souvláki aus gewürzten Fleischwürfeln (in Griechenland meist Schwein, alternativ Huhn, Lamm oder Rind), die auf Spieße gesteckt und über hoher Hitze gegrillt werden; typischerweise werden sie zuvor in einer Mischung aus Olivenöl, Zitronensaft, Knoblauch, Oregano, Salz und Pfeffer mariniert.

Das Souvláki war mein persönlicher Favorit des Abends. Es war perfekt gegart – und das ist bei Souvláki gar nicht so selbstverständlich, wie man denken könnte. Wer schon mal gummiartiges, totgebratenes Souvláki gegessen hat, weiß, was ich meine.

Das hier hatte hingegen noch ordentlich Biss, war saftig, und man schmeckte tatsächlich den Grill: Rauch, Flammen, diese kleine, leicht verkohlte Note an den Rändern. Genau das ist es, was ein gutes Souvláki ausmacht – außen gebräunt mit etwas Röstaroma, innen noch saftig statt trocken. Gewürzt war es ähnlich wie das Gyros – eher zurückhaltend, aber mit Substanz.

Schulnote 1. Ohne Wenn und Aber.

Die Suzukakia

Jetzt müssen wir kurz innehalten, denn Suzukakia war ein Begriff, den ich zuvor nicht kannte – und den ihr vielleicht auch nicht kennt.

Kleiner Exkurs: Suzukakia (griechisch: σουτζουκάκια bzw. σουζουκάκια) sind längliche, wurstförmige griechische Hackfleischröllchen, oft auch »Smyrna-Würstchen« genannt. Sie stammen ursprünglich aus der damals mehrheitlich griechisch geprägten Stadt Smyrna an der türkischen Ägäis (heute Izmir) und kamen nach der brutalen Eroberung der Stadt durch die türkische Armee im Jahr 1922 mit griechischen Flüchtlingen nach Griechenland.

Traditionell werden sie aus Hackfleisch (meist Rind, manchmal gemischt mit Lamm oder Schwein), eingeweichtem Brot oder Semmelbröseln, Knoblauch, reichlich Kreuzkümmel sowie Pfeffer und Salz zubereitet; oft kommen noch etwas Zimt oder Piment und ein Schluck Rotwein in die Masse.

Klassischerweise werden die Suzukakia zunächst angebraten oder leicht frittiert und anschließend in einer pikanten Tomatensauce aus gewürzten Tomaten sanft fertiggeschmort – so kennt man sie in Griechenland am häufigsten. Das »Pallas« serviert sie hier allerdings als gebratene Version auf der Platte, ohne Sauce, was zwar weniger traditionell ist, aber durchaus vorkommt, wenn man den Fokus auf das Fleisch und die Röstnoten legen möchte.

Die beiden Suzukakia auf meiner Platte waren, kurz gesagt, außergewöhnlich zart. So zart, dass sie beim Anschneiden fast auseinanderfallen. Sie schmecken, als wären sie von Flammen geküsst worden – ein schöner, leicht rauchiger Ton, der sich mit dem Fleischgeschmack verbindet. Keine aufdringliche Würze, aber ein sehr guter Gesamteindruck.

Schulnote 1–, weil ich das gern mit der Tomatensauce getestet hätte.

Das Tzatziki

Sagen wir, wie es ist: Tzatziki ohne massiven Einsatz von Knoblauch ist eine Beleidigung. Meine Frau macht daher stets einen so großen Bogen darum, dass man annehmen könnte, sie sei frisch aus Transsylvanien angeflattert gekommen.

Die traditionelle Joghurtsauce hier im Pallas ist kein Tzatziki für Leute, die zart besaitet sind. Mit diesem Tzatziki brauchst du keine Angst vor Vampiren zu haben. Wenn du am nächsten Morgen zum Zahnarzt musst, wundere dich nicht, dass dieser, sobald du deinen Kiefer aufsperrst, leblos in sich zusammensackt. Das ist ein Tzatziki für Leute, die Tzatziki vertragen können.

Das ist ein Tzatziki wie es sein muss.

Schulnote 1.

Die Pommes

Die Fritten im Pallas erschienen mir verhältnismäßig salzfrei. Das fiel mir auf, weil ich es einfach nicht erwartet habe – Pommes im Gastrokontext sind meistens viel zu salzig. Diese hier litten nicht an Salz-Overkill, was für mich okay ist. Aber wozu dann überhaupt Pommes? Naja, alles in allem: anständige Qualität.

Sagen wir, Schulnote 3.

Der Tomatenreis

Auch der Tomatenreis erschien mir reichlich ungewürzt, was auf den ersten Blick wie ein Manko klingt. War es aber gar nicht. Der Reis war buttrig zart und hatte eine deutliche Tomaten-Note, die ihm trotz fehlender expliziter Würze Charakter gab. Er setzte auch einen guten Kontrapunkt zu den intensiven Aromen des Fleisches und des Tzatzikis. Der Reis war irgendwie der stille Typ am Tisch, der nichts sagt, aber am Ende den Abend die nötige Ruhe verleiht.

Nix Dolles, aber eine solide Schulnote 2.

Fazit

Die Argos-Platte im »Pallas« in Springe ist für 18,60 € ein gutes Angebot. Die Menge war beeindruckend, die Qualität bei den gegrillten Komponenten – Souvláki und Suzukakia besonders – überraschend hoch. Das Gyros überzeugte, ohne dabei zu glänzen, das Tzatziki hingegen war genau so, wie Tzatziki sein sollte, und die Beilagen erfüllten ihren Zweck ohne Aufsehen.

Was mich positiv irritiert hat: die Zurückhaltung bei der Würze, die trotzdem zu einem intensiven, aromatischen Geschmackserlebnis führt. Das ist kein einfaches Kunststück.

Würde ich noch einmal hingehen? Aber absolut. Trotz des Ambientes. Und beim nächsten Mal werde ich mir die Nikos-Platte mit den Lammkoteletts anschauen – die interessiert mich.

Thumbs up vom Gastronator.

Enttäuschte Erwartungen im Restaurant Cây Tre Bonn

Es gibt eine kleine Tradition im Kreis der Freundinnen meiner Frau, die noch aus ihrer Studienzeit stammt: Im Herbst treffen sich die Freundinnen zentral in Bonn, um Zwiebelkuchen zu backen und Federweißen dazu zu trinken. Und da dürfen sehr zu meiner Freude (ich liebe Zwiebelkuchen und Federweißen!) auch ihre Männer dabei sein. 

Dank Corona fanden diese Zusammenkünfte lange nicht statt. Nun war es aber endlich einmal wieder so weit. Zwiebelkuchen und Federweißer waren wie gewohnt super, aber am nächsten Tag wollten wir dann doch lieber was anderes haben. Und so verschlug es unsere kleine Gruppe zum vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn.

Das Ambiente

Das Gebäude, in dem das Restaurant liegt, ist nicht besonders breit, dafür aber tief: ein Schlauch. Glücklicherweise hatten wir rechtzeitig reserviert, denn es war zum Bersten voll und auch entsprechend laut. Wenn man hereinkommt, führt linkerhand eine recht steile Treppe ins obere Geschoss, wo wir an einem langen, kargen Holztisch direkt am Fenster platziert wurden. 

Wegen der Schlauchartigkeit des Raumes war alles recht gedrängt – viel Bewegungsfreiheit hatten wir mit unseren Stühlen jedenfalls nicht. Hinter uns an der Wand lehnte noch eine Plexiglasscheibe, die wohl während der Corona-Hochphase zwischen Einzeltischen aufgestellt wurde und nun funktionslos ihr Dasein fristete.

Dafür standen auf der Fensterbank dicht gedrängt beeindruckend viele Zimmerpflanzen – wenn ich mich recht entsinne, waren es vor allem Grünlilien. Und sie gediehen prächtig. (Ja, sie waren echt.)

Der Service

Die Bedienung empfing uns professionell freundlich und geleitete uns lächelnd zu unserem Tisch. Sofort lieferte man uns die ringbuchartig gebundenen Speisekarten. 

Danach wurde uns zwar alles gebracht, was wir bestellt hatten, aber immer von anderen Personen, so dass nie alle das hingestellt bekamen, was sie bestellt hatten. Es gab also ein fröhliches Hin- und Hergetausche innerhalb der Gruppe. Macht aber nix – wie gesagt, der Laden war brechend voll. 

Darunter litt auch die Aufmerksamkeit, die uns das Personal schenkte – ein paar Blicke mehr in unsere Richtung hätten sicherlich die Getränkerechnung signifikant erhöht.

Die Bestellung

Die Speisekarte ist wie oft in asiatischen Restaurants reichhaltig bebildert. Und wie so oft in asiatischen Restaurants haben die Abbildungen wenig mit dem zu tun, was schließlich auf dem Teller vor dir steht.

Etwas nervig war das Design der Karte dennoch. 

Vietnam nutzt das lateinische Alphabet (genauer gesagt das Vietnamese Latin Alphabet oder Quốc Ngữ), das über zusätzliche diakritische Zeichen (Akzente und Markierungen) verfügt. Diese Diakritika markieren im Vietnamesischen die Tonhöhe und unterscheiden Vokale. Das musste ich nachlesen, denn leider spreche ich – anders als mein Chef – kein Vietnamesisch.

Nehmen wir mal exemplarisch dieses Gericht von der Karte: Cơm hạt điều. Für mich nicht besonders einfach zu entziffern.

Der Name bedeutet wörtlich »Cashew-Reis«. Nun wäre es cool gewesen, wenn unter dem vietnamesischen Namen einfach diese Übersetzung gestanden hätte. Stattdessen findet sich auf der Karte diese Erklärung:

Cashewnüsse, Brokkoli, Knoblauch, Ingwer, Champignons, Karotten, Zwiebeln, Lauch und Sojasprossen mit Reis (im Wok zubereitet).

Ja, es ist gut zu wissen, was ich alles vom Gericht erwarten kann. Aber mit einem griffigen Namen hätte ich nicht jede einzelne Beschreibung lesen müssen, sondern gleich den Cashew-Reis übersprungen (weil ich an diesem Abend keine Lust auf Cashews hatte). 

Zumal sich jetzt das schlechte Design erst richtig bemerkbar machte. Denn die langen Zutatenlisten waren im schwer zu lesenden, beschissenen Font »Zapf Chancery« gesetzt (unter diesem Link zu bewundern). Das ist so eine Art gewollte und nicht gekonnte digitale Schreibschrift, die sich in den 1990er Jahren besonderer Beliebtheit erfreute. Wobei ich ziemlich sicher bin, dass das in der Speisekarte nicht einmal die echte »Zapf Chancery« war, sondern eine billige Freeware-Version. Und die war dann auch noch in kleiner Schriftgröße und engem Zeilenabstand abgedruckt und außerdem auch noch digital schräg gestellt, was die Lesbarkeit noch einmal verminderte. 

Aber egal. 

Am Ende fand ich eine Vorspeise und einen Hauptgang.

Die Vorspeise: Sommerrolle mit Shrimps

Sommerrolle mit Shrimps im vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn
Sommerrolle mit Shrimps im vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn

Die Sommerrollen kamen schön dekoriert und angerichtet und in saubere Hälften geteilt bei mir an. Dabei waren zwei Schälchen mit unterschiedlichen Soßen, laut Karte eine Hoisin-Erdnusssoße und eine Fischsoße. 

Die Hoisin-Soße war leicht als solche zu erkennen, denn das Hoisin-Aroma war unverkennbar. Allerdings war die Farbe untypisch hell. Hoisin ist eigentlich tiefbraun, fast schon schwarz. Das Erdnussaroma war zwar zu merken, aber viel zu stark im Hintergrund dafür, dass die Soße »Erdnuss« im Namen führt. Die ganze Kreation war darüber hinaus insgesamt unangenehm salzig. Ich hatte das Gefühl, dass hier nicht nur gesalzene Erdnüsse gehackt und hineingemischt worden sind, sondern dann der ganze Bums auch noch ordentlich mit heller Sojasoße verdünnt worden ist. Nicht schön – außer zum Verkosten habe ich die Soße nicht weiter angerührt.

Die als Fischsoße angekündigte, dünne Flüssigkeit hat mich irritiert. Sie war ziemlich säuerlich und durch die eingesprenkelten Chiliflocken leicht scharf. Wer Fischsoße kennt, der weiß, wie sie schmeckt: Sie bringt ein unvergleichliches Umami-Aroma mit. Nichts dergleichen in diesem Fall. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier eher einen Reisessig mit Chiliflocken vor mir hatte. Fischsoße ist da vielleicht mal vorbeigeschwenkt worden. Ziemlich enttäuschend.

Sommerrolle mit Shrimps im vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn
Sommerrolle mit Shrimps im vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn

Aber wenigstens waren die Sommerrollen selbst gut gestopft und ziemlich groß. Gefüllt waren sie hauptsächlich mit Reisnudeln, was sie überaus sättigend machte. Ein wenig Salat war auch dabei, ein dünner Karottenstreifen und ein bisschen Gurke. Und ein einziger Shrimp pro Rolle, schön in der Mitte halbiert, damit jede Rollenhälfte etwas davon hat. Die angekündigte Minze habe ich nicht entdecken oder schmecken können. Aber okay. Dafür gab es jede Menge Koriander, und den liebe ich sehr.

Bewertung

Als Vorspeise fand ich die Sommerrollen beinahe schon zu voluminös, um anschließend noch einen ganzen Hauptgang zu schaffen. Geschmacklich waren sie völlig in Ordnung, die Soßen hingegen haben ziemlich enttäuscht. Aber das hervorragende Preis-Leistungsverhältnis (5,90 Euro) reißt das wieder etwas raus.

Von den vollen 10 Punkten für die Sommerrollen ziehe ich 6 für die vollkommen enttäuschenden Soßen ab, gebe aber 3 für den guten Preis und das schöne Anrichten wieder drauf. So landen die Sommerrollen bei 7 von 10 Punkten.

Kommen wir nun zum Hauptgericht des Abends.

Das Hauptgericht: Cơm Sả Ớt

Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn
Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn

Der Name bedeutet wörtlich »Zitronengras-Chili-Reis«, aber das habe ich erst im Nachhinein recherchiert. Im Restaurant musste ich mich an die dank der Schriftart schwer zu lesende Beschreibung halten: 

Scharf – Brokkoli, Champignons, Karotten, Zwiebeln, Zucchini, Koriander, Zitronengras, Chili und Sojasprossen mit Reis (im Wok zubereitet)

Das Wort »scharf« war rot gedruckt. Und das wollte ich haben. Scharf! Das Gericht sollte mit dem Extra Hühnerfleisch darüber hinaus nur 13,90 Euro kosten – ein wirklich günstiger Preis, wie ich finde.

Das Gericht kam auf einem Teller wie ein 50er-Jahre-Nierentisch, nur ohne Beine. Und mit Reis-Hütchen. Ich musste schon ein wenig schmunzeln.

Der Reis

Fangen wir gleich mit dem Reis an. Abgesehen davon, dass er offenbar von einem Küchentrichter in Form gebracht worden war, fiel mir daran als Erstes auf: ganz schön wenig. Auf den Fotos wirkt es nach mehr Reis als wirklich auf dem Teller war. 

Problematischer war eher, dass der Reis offenbar schon etwas länger in dieser Form herumgestanden hatte. Denn außen war er mittlerweile zäh geworden, während er im Innern des Kegels so war, wie Jasmin-Reis halt zu sein hat. Aufgrund der geringen Größe des Kegels war aber sehr viel der Menge zäh und wenig so, wie Reis zu sein hat. Ihn zu essen machte ehrlicherweise keinen großen Spaß.

Darum habe ich trotz der geringen Menge nur etwa die Hälfte des Reis gegessen, und das auch erst ganz am Schluss – siehe beim Abschnitt über die Soße.

Das Hühnerfleisch

Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn
Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn

Die Extrakomponente im Gericht ist das Hühnerfleisch – mit ihm zusammen heißt das Gericht dann übrigens eigentlich auch Gà xào sả ớt, wobei für »Huhn« steht (was man nicht alles lernen kann!). Aber ich will hier nicht päpstlicher sein als der Papst, denn vom Huhn war eine überraschend großzügige Menge im Gericht. 

Das Fleisch war sehr lecker, was an der Marinade liegen dürfte, die traditionell aus gehacktem Zitronengras und Knoblauch, Fisch- und manchmal Austernsoße, ein wenig Zucker für die Karamellnote, Chili und Pfeffer für den Bums besteht. Ob diese traditionelle Marinade auch hier zum Einsatz gekommen ist, bleibt natürlich im Nebel des Stir-Fry-Gerichts. 

Es handelte sich um Hühnerbrust – ein klassischer Fehler, weil Brust schnell trocken wird. Niemand außerhalb Deutschlands glaubt, dass die besten Teile des Huhns die Brust wäre! Trotzdem war das Fleisch überaus zart, sodass ich annehme, dass es mit Natron velvetisiert worden ist. Obwohl das eine chinesische Kochtechnik ist.

Das Gemüse

Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn
Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn

Wie ich mir habe erläutern lassen, habe ich eine sehr typisch westliche Restaurant-Interpretation des Gerichts erhalten. 

Das echte vietnamesische Gà xào sả ớt soll laut vietnamesischer YouTube-Rezeptvideos, von denen ich kein Wort verstanden habe, ein ziemlich trockenes Gericht sein. Eigentlich besteht es nur aus Hühnchenfleisch, viel Zitronengras und Chili. Alles wird stark eingekocht, bis kaum noch Flüssigkeit übrig ist. (Ein Beispiel findest du unter diesem Link: https://www.youtube.com/watch?v=TGsuh2sb5J8 – Hier gibt es auch ein englisches Transkript. Das hat mir so viel Spaß beim Zugucken gemacht, dass ich das unbedingt selbst ausprobieren will. Nur führt mein Dorf-Supermarkt einfach kein Zitronengras. Also muss ich mal wieder mit dem Bus in die Großstadt tuckern.) 

Brokkoli, Karotten und Zucchini in diesem spezifischen Gericht sind unüblich. Hierzulande wird aber anscheinend ein beliebiger Mix irgendwelcher Gemüse erwartet, damit es eine »vollständige Mahlzeit« ist. Zudem mögen es deutsche Gäste anscheinend »soßiger«, damit der Reis nicht trocken ist. Aber mein ganzes Gericht schwamm förmlich in einer dünnen roten Soße, zu der ich gleich noch komme. 

Ehrlich: Was deutsche Durchschnittsgäste erwarten, wenn sie in ein vietnamesisches Restaurant gehen, ist mir piepsegal. Denn ich erwarte, in einem vietnamesischem Restaurant auch ein vietnamesisches Gericht zu bekommen, keine beliebige Fantasieküche mit fancy vietnamesischen Schriftzeichen.

Darüber hinaus muss ich meckern. Denn der Brokkoli war dermaßen salzig, dass ich dem Koch oder der Köchin ein wunderbares Liebesleben voraussage. (Was ich ihm oder ihr von Herzen wünsche! Aber der Brokkoli war echt kacke.)

Der Grund meiner Bestellung war ja, dass ich es scharf haben wollte. Leider war das Gericht kein bisschen scharf, trotz offensichtlicher Chili-Flocken. Also habe ich mich erneut enttäuscht, aber brav durch den Berg Fleisch und Gemüse gegessen, bis ich nach ganz unten kam, wo sich die Soße gesammelt hatte.

Die Soße

Die Soße war ölig und dünnflüssig. Vielleicht konnte sie deshalb nicht an den einzelnen Komponenten des Bergs an Gemüse und Fleisch haften bleiben und sammelte sich am Boden. Aber je tiefer ich zu diesem Boden des Nierentisch-Tellers vordrang, desto mehr merkte ich: Schärfe! Nicht feurige Schärfe natürlich. Aber immerhin etwas. Angenehm. Auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich sagen: eine gute 5. Den deutlichen Warnhinweis in roter Schrift rechtfertigte der Schärfegrad der Soße dann doch nicht. 

Mein Problem war nur, dass nun lediglich noch der zähe Reis auf meinem Teller lag, um die Soße zu genießen. Also habe ich es ziemlich schnell aufgegeben und meine Gelüste nach Schärfe blieben an diesem Tag unbefriedigt.

Worum es sich genau bei der Soße handelte, konnte ich natürlich nicht herausfinden – das ist einfach schwierig bei Stir-Fry-Gerichten. Möglicherweise war Chili-Öl beteiligt, wenn auch nicht besonders viel.

Generell war die Soße ansonsten recht salzig. Vermutlich hat hier der Brokkoli sein Unwesen getrieben.

Bewertung

Der lustige Trichter-Reis sah nur lustig aus und war ansonsten eine sehr traurige Angelegenheit. Der kriegt von mir 1 Punkt für die Präsentation, aber das war’s dann auch.

Das Fleisch war fein gewürzt und damit geschmacklich sehr gut, wobei ich gern auf Velvetisierung von Hühnerbrust verzichte und stattdessen lieber Schenkel nehme. 7 von 10 Punkten.

Das Gemüse litt unter dem versalzenen Brokkoli und generell der wilden Mischung europäischer Gemüsesorten, die (wie ich erst im Nachhinein erfahren habe) nichts in diesem Gericht zu suchen haben. Aber konkret war es abgesehen vom Brokkoli lecker und sättigend. 7 von 10 Punkten.

Die dünnflüssige, ölige Soße, die erst ganz am Schluss ihre milde Schärfe entfaltete, war für mich das Highlight des Gerichts, wenn man das so sagen kann. Und nicht einmal die erreicht die volle Punktzahl, sondern nur 8 von 10.

Immerhin gab es wieder eine schöne Ladung Koriander, und den günstigen Preis will ich auch nicht unterschlagen – viel Sättigung für wenig Geld. 

Handwerklich gebe ich diesem Hauptgericht 6 von 10 Punkten, unter Berücksichtigung des Preises aber sogar eine 7 von 10.

Das Fazit

Mein Besuch im Cây Tre hinterlässt gemischte Gefühle. Wer authentische vietnamesische Küche sucht, die über das übliche »Pan-Asien-Restaurant-Erlebnis« hinausgeht, wird hier vermutlich enttäuscht sein. Das Restaurant scheint sich stark an einen westlichen Durchschnittsgeschmack angepasst zu haben – mit viel Soße, viel buntem Gemüse und wenig Mut zur Originalität.

Handwerklich war das Essen weitestgehend okay, aber die Diskrepanz zwischen meiner Erwartung (vietnamesische Küche) und der Realität (eingedeutschtes Allerwelts-Wok-Gericht) war zu groß. Die enttäuschenden Soßen bei der Vorspeise und der lieblose, zähe Reis beim Hauptgericht trüben mein Bild zusätzlich.

Was hingegen für das Cây Tre spricht, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Für knapp 14 Euro bekommt man ein sättigendes Hauptgericht mit reichlich Fleisch in einer sehr zentralen Bonner Lage. Wer einfach nur satt werden will und keine kulinarische Reise nach Hanoi erwartet, ist hier richtig. Für mich persönlich war es jedoch zu wenig authentisch und zu viel »Standard-Asiate«, weshalb ich wohl nicht wiederkommen werde.

Schnitzel Diavolo im Steakhaus Kampe

Der exklusive Schnitzelclub, dem ich sehr zum Bedauern meiner Personenwaage angehöre, war gestern im Steakhaus Kampe im Hannoverschen Stadtteil Bothfeld.

Vorab gab es frisches, noch warmes Mischbrot mit dazu gereichtem Schmalz, einer Art – möglicherweise selbst hergestelltem – Ketchup ungarischer Art sowie einem grünen, sehr frisch schmeckenden und sehr leckeren Dip. Anschließend gab es einen kleinen, gemischten Salat.

Als mein Schnitzel kam, war ich visuell ziemlich enttäuscht – neben dem Schnitzel, das teilweise unter der Sambalsauce verborgen lag und dessen ansonsten knusprige Panade darunter absoff, lagen zwei einsame Palmherzen und ein paar armselige Kroketten auf dem Teller. Keine Deko, die die Speise wenigstens ein wenig optisch aufwerten würde – nicht mal eine Tomatenspalte oder ein Salatblatt.

Immerhin – das Schnitzel schmeckte sehr gut. Es war butterzart und in einer Art Butterschmalz gebraten, da, wo die Panade nicht von der ebenfalls leckeren (und gar nicht so teuflisch scharfen) Diavolo-Sauce aufgeweicht worden war, war sie annähernd perfekt gebraten (nur ein bisschen zu fest).

Auf die Palmherzen hätte ich gerne auch verzichtet, wenn das mit 11,50 Euro doch recht teure Gericht dann einen Euro günstiger geworden wäre. Und Kroketten sind halt Kroketten. Wer’s mag – bitteschön. Ich hatte das bei der Bestellung nicht wahrgenommen, sonst hätte ich lieber Pommes frites, Bratkartoffeln (mit 1,50 Euro Aufpreis!) oder schlicht Brot dazu genommen.

Fazit: Leckeres Schnitzel und viel vorneweg. Bei den Beilagen kann Kampe noch verbessern und die Preise nochmals prüfen. Insgesamt empfinde ich das Gericht als zu teuer.

Schnitzel gibt es im Steakhaus Kampe nur mittwochs.

Überraschendes Krankenhausessen: Mein Blinddarm und neue Geschmackserlebnisse

Und plötzlich liegt man im Krankenhaus und lässt sich den Blinddarm entfernen. Das eröffnet unerwartet neue Perspektiven, was Essen angeht.

Ich liege im Clementinenhaus in Hannover und bekomme Schonkost, konkret: Alaskaseelachs mit Kartoffelbrei und Möhren. So war es angekündigt. Ich bekam das hier:

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Nicht euer Ernst!? Püriert und in Form gepresst?? Ihr habt mir den Blinddarm entfernt, nicht die Zähne! (Oder? Moment, ich gucke kurz im Spiegel nach … nö, Zähne noch da.)

Wider Erwarten schmeckte dieses Assortissement an Nahrung im Astronautenschick jedoch erstaunlich gut, wenn man mal vom geringen Kauwert absieht. Ich will mich also überhaupt nicht über das Krankenhausessen hier im Clementinenhaus beschweren. Im Gegenteil. Aber ich freue mich darauf, dass es ab heute Abend für mich wieder was zu beißen gibt, nicht nur was zu lutschen.

Thai Curry Chicken im Pho3miên

Man kommt rein in den Asia-Imbiss. Auf den ersten Blick nicht anders als andere – offene Küche, in der zwei vertikal herausgeforderte Asiaten werkeln, beleuchtete Speisekarte darüber, der Geruch. Doch auf den zweiten Blick sieht der Laden reichlich skurril aus – Getränkekisten stapeln sich vor der Theke und dem Toiletteneingang. Der Gastraum ist einigermaßen geschmackvoll, zumindest ordentlich und sauber eingerichtet. Allerdings auch irgendwie abgerissen, wenn man sich die Wände anschaut.

Ich bin hier, weil mich ein Freund hergeschickt hat – im Pho3miên in Hannover, einem scheinbar schlichten, austauschbaren Asia-Imbiss.

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Doch der Schein trügt, wenn man zum Essen kommt. Im Gegensatz zu anderen Asia-Imbissen dieser Preislage dauert es verdächtig lange, bis das Essen auf dem Tisch steht. Kochen die etwa frisch? Aussehen tut mein »Thai Curry Chicken« (T4) zumindest so:

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Es schmeckt gut. Die Portion ist angemessen groß. Und es ist endlich endlich endlich einmal wirklich so scharf, dass der Hinweis »scharf« gerechtfertigt wäre.

Hier komme ich gerne wieder her. Auch wenn ich den Namen des Imbisses nicht richtig schreiben kann.

Schnitzel Wiener Art im Gilden im Zims

Endlich bin ich mal woanders als in Hannover, nämlich in Köln in der Vorkarnevalszeit. Eingeladen worden bin ich, um an einer Presseveranstaltung teilzunehmen, und zwar in einem altehrwürdigen Gasthaus, nämlich dem »Gilden im Zims«.

Die Lokalität ist absolut super – die alten Backsteine hat man vom Putz befreit und zeigt sie in voller Pracht. Die Räume sind sehr verwinkelt und schaffen eine intime Atmosphäre, obwohl eigentlich alles offen steht.

Zunächst gibt es »Kölsche Tapas« – dahinter verbergen sich Schnittchen und Frikadellen. Das berühmteste Schnittchen dürfte wohl der »Halve Hahn« sein, der mitnichten was mit Hühnern zu tun hat, sondern ein Käsebrot ist. Mit Gurke.

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Die Schnittchen sind total okay, und sie würden problemlos bis zum Abend vorhalten. Aber zwischen ihnen und dem Abend liegen noch zwei Gänge – glücklicherweise mit einigem zeitlichen Abstand.

Mein zweiter Gang besteht aus einem riesigen, fein plattgeklopften und sehr zarten Schnitzel Wiener Art mit einem beinahe schon vulgär großen Berg fantastischer Bratkartoffeln. Einzig die würzige Panade hätte einen Hauch fluffiger ausfallen können (aber das sage ich nur, weil ich unbedingt rummäkeln will). Das Schnitzel und die Bratkartoffeln waren wirklich sehr, sehr gut. Und ich habe die Hälfte der Kartoffeln und den kompletten, mitgelieferten Salatteller übrig lassen müssen, denn: nichts ging mehr.

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Mit gottlob einer erneuten kleinen Pause schob uns der immer aufmerksame Service schließlich noch das Dessert unter: einen Apfelstrudel. Vielleicht sollte man aber den Dom lieber in Köln lassen bzw. die Kirche im Dorf – Apfelstrudel gehört nicht ins Rheinland. Und so fühlte er sich auch an – ein Fremdkörper. Sehr trocken, sehr fest, geschmacklich allerdings völlig okay, und das obwohl Zimtzucker darüber gestreut war. Die mitgelieferte warme Vanillesauce, die ich schließlich über das trockene Dings löffelte, ließ den Strudel dann akzeptabel matschig werden, so dass ich letztendlich sagen kann: nicht gerade super, aber in Ordnung.

Hervorheben kann ich aber wirklich den Service (ein junger Mann übrigens), der immer da war, wenn man ihn brauchte, sich ansonsten aber im Hintergrund aufhielt. Ach ja, erwähnte ich, dass ich auch Schnitzel und Bratkartoffeln toll fand?

Currywurst/Pommes im Reimanns Eck

Schon lange habe ich keine Gastronomie-Kritik mehr eingestellt, vornehmlich deshalb, weil ich eine ganze Zeit nur da war, wo ich ohnehin immerzu hingehe.

Gestern Abend war ich aber mit einem Freund auf ein Bierchen im Reimanns Eck am Weißekreuzplatz in Hannover – ein Etablissement, mit dem ich schon einmal ganz üble Erfahrungen gemacht habe. Damals allerdings lag das vermutlich an einer riesigen Gruppe, mit der ich da aufgeschlagen bin. Darum: zweite Chance fürs Reimanns Eck!

Der Betrieb hebt sich positiv aus den ganzen nach dem Wirt benannten Kneipen dadurch hervor, dass die korrekte Rechtschreibung und nicht etwa das sogenannte Deppenapostroph (»Reimann’s«) zum Einsatz kommt. Schon mal was!

Wir bestellten uns ein kleines Bier und Currywurst / Pommes. Es dauerte ein paar Minuten, dann standen die Biere auf dem Tisch. Außerdem gab es ein Körbchen mit Brot und Frischkäse.

Das war auch nötig, denn die Wurst ließ trotz mäßigen Betriebs ganz schön auf sich warten. Insgesamt saßen wir wohl 20 Minuten, bevor die Wurst kam – eine dünne, gerade Bratwurst in Currytunke. Mein Freund kommt aus dem Ruhrgebiet. Der blickte die Reimann-Currywurst an wie Obelix eine Schale mit Rosenkohl.

Der Geschmack der Wurst: fad. Die Konsistenz: zu weich. Der Geschmack der Sauce: Vorne scharf, nachhaltig sauer im Abgang. Die Konsistenz: zu dünn. Immerhin waren die Pommes in Ordnung.

Die Currywurst reizt mich jetzt nicht, nochmal ins Reimanns Eck zu gehen. Könnte alles ein bisschen flotter, ein bisschen fröhlicher und ein bisschen leckerer sein.

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Bandnudeln mit Scampi im Petros

Beruflich bin ich seit 2009 mehrmals pro Woche in der Freundalle, das ist nicht weit vom sagenumwobenen Pferdeturm in Hannover. Quasi direkt neben der Institution, die ich dort als Dozent besuche, liegt ein griechisches Restaurant, dessen Ästhetik ich als sehr angenehm empfinde: Man verzichtet auf die übliche blaue Rechteckwelle und zeigt stattdessen einen Olivenzweig nebst entsprechenden Früchten. Auch auf pseudo-griechische Typographie wird verzichtet. Statt dessen setzt das Restaurant auf eine klassische und ziemlich römisch anmutende Antiqua. Der Laden heißt Petros Greek Restaurant – und ich war vorher nur ein einziges Mal dort, was am Preisgefüge liegt – auf der Karte liegt das günstigste Essen bei knapp unter 10 Euro. Damals (es war der Sommer vor zwei Jahren) saß ich draußen, so dass ich das Restaurant noch nie betreten habe.

Heute hatte ich dermaßen Schmacht, dass ich direkt nach dem Unterricht hingegangen bin. Innen ist das Petros sehr geschmackvoll eingerichtet. Die rustikalen Holztische werden pro Sitzplatz durch ein kleines Set aus blauweiß kariertem Stoff geziert. Eine Kerze leuchtet auf dem Tisch. Und dann war da noch die Papierserviette, die man irgendwie in jedem beliebigen griechischen Restaurant antrifft: blaue Rechteckwelle mit Spracherklärung. Gähn.

Bedient wurde ich, wenn ich das Bild auf der Website richtig deute, vom Chef persönlich: Petros Alexoudis. Er reichte mir die Karte und eröffnete mir, dass es zudem drei Mittagsangebote zu je 8,50 Euro gebe. Davon klangen die Bandnudeln mit Scampi und Kirschtomaten so lecker, dass ich dieses Gericht bestellte.

Zunächst einmal kam ein kleines Körbchen mit Brot. Wie das im mediterranen Raum üblich ist, schmeckt Brot eher nichtssagend. So auch dieses. Dafür war der Salat, den ich bekam, sehr lecker: ein kleiner Teller mit ein wenig Weißkraut, Kopfsalat, einer Tomatenscheibe, einigen Zwiebelringen und Champignonscheiben, gekrönt von einem leichten Joghurtdressing.

Noch bevor ich den Salat hatte verschlingen können, stand das Essen auf dem Tisch. Guckt Euch das Bild an. Genau so hat es geschmeckt. Mjam mjam mjam! Meine Frau allerdings wird mich heute schmähen – sie liebt Knoblauch überhaupt nicht…

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