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Enttäuschte Erwartungen im Restaurant Cây Tre Bonn

Es gibt eine kleine Tradition im Kreis der Freundinnen meiner Frau, die noch aus ihrer Studienzeit stammt: Im Herbst treffen sich die Freundinnen zentral in Bonn, um Zwiebelkuchen zu backen und Federweißen dazu zu trinken. Und da dürfen sehr zu meiner Freude (ich liebe Zwiebelkuchen und Federweißen!) auch ihre Männer dabei sein. 

Dank Corona fanden diese Zusammenkünfte lange nicht statt. Nun war es aber endlich einmal wieder so weit. Zwiebelkuchen und Federweißer waren wie gewohnt super, aber am nächsten Tag wollten wir dann doch lieber was anderes haben. Und so verschlug es unsere kleine Gruppe zum vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn.

Das Ambiente

Das Gebäude, in dem das Restaurant liegt, ist nicht besonders breit, dafür aber tief: ein Schlauch. Glücklicherweise hatten wir rechtzeitig reserviert, denn es war zum Bersten voll und auch entsprechend laut. Wenn man hereinkommt, führt linkerhand eine recht steile Treppe ins obere Geschoss, wo wir an einem langen, kargen Holztisch direkt am Fenster platziert wurden. 

Wegen der Schlauchartigkeit des Raumes war alles recht gedrängt – viel Bewegungsfreiheit hatten wir mit unseren Stühlen jedenfalls nicht. Hinter uns an der Wand lehnte noch eine Plexiglasscheibe, die wohl während der Corona-Hochphase zwischen Einzeltischen aufgestellt wurde und nun funktionslos ihr Dasein fristete.

Dafür standen auf der Fensterbank dicht gedrängt beeindruckend viele Zimmerpflanzen – wenn ich mich recht entsinne, waren es vor allem Grünlilien. Und sie gediehen prächtig. (Ja, sie waren echt.)

Der Service

Die Bedienung empfing uns professionell freundlich und geleitete uns lächelnd zu unserem Tisch. Sofort lieferte man uns die ringbuchartig gebundenen Speisekarten. 

Danach wurde uns zwar alles gebracht, was wir bestellt hatten, aber immer von anderen Personen, so dass nie alle das hingestellt bekamen, was sie bestellt hatten. Es gab also ein fröhliches Hin- und Hergetausche innerhalb der Gruppe. Macht aber nix – wie gesagt, der Laden war brechend voll. 

Darunter litt auch die Aufmerksamkeit, die uns das Personal schenkte – ein paar Blicke mehr in unsere Richtung hätten sicherlich die Getränkerechnung signifikant erhöht.

Die Bestellung

Die Speisekarte ist wie oft in asiatischen Restaurants reichhaltig bebildert. Und wie so oft in asiatischen Restaurants haben die Abbildungen wenig mit dem zu tun, was schließlich auf dem Teller vor dir steht.

Etwas nervig war das Design der Karte dennoch. 

Vietnam nutzt das lateinische Alphabet (genauer gesagt das Vietnamese Latin Alphabet oder Quốc Ngữ), das über zusätzliche diakritische Zeichen (Akzente und Markierungen) verfügt. Diese Diakritika markieren im Vietnamesischen die Tonhöhe und unterscheiden Vokale. Das musste ich nachlesen, denn leider spreche ich – anders als mein Chef – kein Vietnamesisch.

Nehmen wir mal exemplarisch dieses Gericht von der Karte: Cơm hạt điều. Für mich nicht besonders einfach zu entziffern.

Der Name bedeutet wörtlich »Cashew-Reis«. Nun wäre es cool gewesen, wenn unter dem vietnamesischen Namen einfach diese Übersetzung gestanden hätte. Stattdessen findet sich auf der Karte diese Erklärung:

Cashewnüsse, Brokkoli, Knoblauch, Ingwer, Champignons, Karotten, Zwiebeln, Lauch und Sojasprossen mit Reis (im Wok zubereitet).

Ja, es ist gut zu wissen, was ich alles vom Gericht erwarten kann. Aber mit einem griffigen Namen hätte ich nicht jede einzelne Beschreibung lesen müssen, sondern gleich den Cashew-Reis übersprungen (weil ich an diesem Abend keine Lust auf Cashews hatte). 

Zumal sich jetzt das schlechte Design erst richtig bemerkbar machte. Denn die langen Zutatenlisten waren im schwer zu lesenden, beschissenen Font »Zapf Chancery« gesetzt (unter diesem Link zu bewundern). Das ist so eine Art gewollte und nicht gekonnte digitale Schreibschrift, die sich in den 1990er Jahren besonderer Beliebtheit erfreute. Wobei ich ziemlich sicher bin, dass das in der Speisekarte nicht einmal die echte »Zapf Chancery« war, sondern eine billige Freeware-Version. Und die war dann auch noch in kleiner Schriftgröße und engem Zeilenabstand abgedruckt und außerdem auch noch digital schräg gestellt, was die Lesbarkeit noch einmal verminderte. 

Aber egal. 

Am Ende fand ich eine Vorspeise und einen Hauptgang.

Die Vorspeise: Sommerrolle mit Shrimps

Sommerrolle mit Shrimps im vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn
Sommerrolle mit Shrimps im vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn

Die Sommerrollen kamen schön dekoriert und angerichtet und in saubere Hälften geteilt bei mir an. Dabei waren zwei Schälchen mit unterschiedlichen Soßen, laut Karte eine Hoisin-Erdnusssoße und eine Fischsoße. 

Die Hoisin-Soße war leicht als solche zu erkennen, denn das Hoisin-Aroma war unverkennbar. Allerdings war die Farbe untypisch hell. Hoisin ist eigentlich tiefbraun, fast schon schwarz. Das Erdnussaroma war zwar zu merken, aber viel zu stark im Hintergrund dafür, dass die Soße »Erdnuss« im Namen führt. Die ganze Kreation war darüber hinaus insgesamt unangenehm salzig. Ich hatte das Gefühl, dass hier nicht nur gesalzene Erdnüsse gehackt und hineingemischt worden sind, sondern dann der ganze Bums auch noch ordentlich mit heller Sojasoße verdünnt worden ist. Nicht schön – außer zum Verkosten habe ich die Soße nicht weiter angerührt.

Die als Fischsoße angekündigte, dünne Flüssigkeit hat mich irritiert. Sie war ziemlich säuerlich und durch die eingesprenkelten Chiliflocken leicht scharf. Wer Fischsoße kennt, der weiß, wie sie schmeckt: Sie bringt ein unvergleichliches Umami-Aroma mit. Nichts dergleichen in diesem Fall. Ich hatte das Gefühl, dass ich hier eher einen Reisessig mit Chiliflocken vor mir hatte. Fischsoße ist da vielleicht mal vorbeigeschwenkt worden. Ziemlich enttäuschend.

Sommerrolle mit Shrimps im vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn
Sommerrolle mit Shrimps im vietnamesischen Restaurant Cây Tre in Bonn

Aber wenigstens waren die Sommerrollen selbst gut gestopft und ziemlich groß. Gefüllt waren sie hauptsächlich mit Reisnudeln, was sie überaus sättigend machte. Ein wenig Salat war auch dabei, ein dünner Karottenstreifen und ein bisschen Gurke. Und ein einziger Shrimp pro Rolle, schön in der Mitte halbiert, damit jede Rollenhälfte etwas davon hat. Die angekündigte Minze habe ich nicht entdecken oder schmecken können. Aber okay. Dafür gab es jede Menge Koriander, und den liebe ich sehr.

Bewertung

Als Vorspeise fand ich die Sommerrollen beinahe schon zu voluminös, um anschließend noch einen ganzen Hauptgang zu schaffen. Geschmacklich waren sie völlig in Ordnung, die Soßen hingegen haben ziemlich enttäuscht. Aber das hervorragende Preis-Leistungsverhältnis (5,90 Euro) reißt das wieder etwas raus.

Von den vollen 10 Punkten für die Sommerrollen ziehe ich 6 für die vollkommen enttäuschenden Soßen ab, gebe aber 3 für den guten Preis und das schöne Anrichten wieder drauf. So landen die Sommerrollen bei 7 von 10 Punkten.

Kommen wir nun zum Hauptgericht des Abends.

Das Hauptgericht: Cơm Sả Ớt

Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn
Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn

Der Name bedeutet wörtlich »Zitronengras-Chili-Reis«, aber das habe ich erst im Nachhinein recherchiert. Im Restaurant musste ich mich an die dank der Schriftart schwer zu lesende Beschreibung halten: 

Scharf – Brokkoli, Champignons, Karotten, Zwiebeln, Zucchini, Koriander, Zitronengras, Chili und Sojasprossen mit Reis (im Wok zubereitet)

Das Wort »scharf« war rot gedruckt. Und das wollte ich haben. Scharf! Das Gericht sollte mit dem Extra Hühnerfleisch darüber hinaus nur 13,90 Euro kosten – ein wirklich günstiger Preis, wie ich finde.

Das Gericht kam auf einem Teller wie ein 50er-Jahre-Nierentisch, nur ohne Beine. Und mit Reis-Hütchen. Ich musste schon ein wenig schmunzeln.

Der Reis

Fangen wir gleich mit dem Reis an. Abgesehen davon, dass er offenbar von einem Küchentrichter in Form gebracht worden war, fiel mir daran als Erstes auf: ganz schön wenig. Auf den Fotos wirkt es nach mehr Reis als wirklich auf dem Teller war. 

Problematischer war eher, dass der Reis offenbar schon etwas länger in dieser Form herumgestanden hatte. Denn außen war er mittlerweile zäh geworden, während er im Innern des Kegels so war, wie Jasmin-Reis halt zu sein hat. Aufgrund der geringen Größe des Kegels war aber sehr viel der Menge zäh und wenig so, wie Reis zu sein hat. Ihn zu essen machte ehrlicherweise keinen großen Spaß.

Darum habe ich trotz der geringen Menge nur etwa die Hälfte des Reis gegessen, und das auch erst ganz am Schluss – siehe beim Abschnitt über die Soße.

Das Hühnerfleisch

Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn
Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn

Die Extrakomponente im Gericht ist das Hühnerfleisch – mit ihm zusammen heißt das Gericht dann übrigens eigentlich auch Gà xào sả ớt, wobei für »Huhn« steht (was man nicht alles lernen kann!). Aber ich will hier nicht päpstlicher sein als der Papst, denn vom Huhn war eine überraschend großzügige Menge im Gericht. 

Das Fleisch war sehr lecker, was an der Marinade liegen dürfte, die traditionell aus gehacktem Zitronengras und Knoblauch, Fisch- und manchmal Austernsoße, ein wenig Zucker für die Karamellnote, Chili und Pfeffer für den Bums besteht. Ob diese traditionelle Marinade auch hier zum Einsatz gekommen ist, bleibt natürlich im Nebel des Stir-Fry-Gerichts. 

Es handelte sich um Hühnerbrust – ein klassischer Fehler, weil Brust schnell trocken wird. Niemand außerhalb Deutschlands glaubt, dass die besten Teile des Huhns die Brust wäre! Trotzdem war das Fleisch überaus zart, sodass ich annehme, dass es mit Natron velvetisiert worden ist. Obwohl das eine chinesische Kochtechnik ist.

Das Gemüse

Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn
Cơm Sả Ớt im vietnamesischen Restaurant Cây Tre Bonn

Wie ich mir habe erläutern lassen, habe ich eine sehr typisch westliche Restaurant-Interpretation des Gerichts erhalten. 

Das echte vietnamesische Gà xào sả ớt soll laut vietnamesischer YouTube-Rezeptvideos, von denen ich kein Wort verstanden habe, ein ziemlich trockenes Gericht sein. Eigentlich besteht es nur aus Hühnchenfleisch, viel Zitronengras und Chili. Alles wird stark eingekocht, bis kaum noch Flüssigkeit übrig ist. (Ein Beispiel findest du unter diesem Link: https://www.youtube.com/watch?v=TGsuh2sb5J8 – Hier gibt es auch ein englisches Transkript. Das hat mir so viel Spaß beim Zugucken gemacht, dass ich das unbedingt selbst ausprobieren will. Nur führt mein Dorf-Supermarkt einfach kein Zitronengras. Also muss ich mal wieder mit dem Bus in die Großstadt tuckern.) 

Brokkoli, Karotten und Zucchini in diesem spezifischen Gericht sind unüblich. Hierzulande wird aber anscheinend ein beliebiger Mix irgendwelcher Gemüse erwartet, damit es eine »vollständige Mahlzeit« ist. Zudem mögen es deutsche Gäste anscheinend »soßiger«, damit der Reis nicht trocken ist. Aber mein ganzes Gericht schwamm förmlich in einer dünnen roten Soße, zu der ich gleich noch komme. 

Ehrlich: Was deutsche Durchschnittsgäste erwarten, wenn sie in ein vietnamesisches Restaurant gehen, ist mir piepsegal. Denn ich erwarte, in einem vietnamesischem Restaurant auch ein vietnamesisches Gericht zu bekommen, keine beliebige Fantasieküche mit fancy vietnamesischen Schriftzeichen.

Darüber hinaus muss ich meckern. Denn der Brokkoli war dermaßen salzig, dass ich dem Koch oder der Köchin ein wunderbares Liebesleben voraussage. (Was ich ihm oder ihr von Herzen wünsche! Aber der Brokkoli war echt kacke.)

Der Grund meiner Bestellung war ja, dass ich es scharf haben wollte. Leider war das Gericht kein bisschen scharf, trotz offensichtlicher Chili-Flocken. Also habe ich mich erneut enttäuscht, aber brav durch den Berg Fleisch und Gemüse gegessen, bis ich nach ganz unten kam, wo sich die Soße gesammelt hatte.

Die Soße

Die Soße war ölig und dünnflüssig. Vielleicht konnte sie deshalb nicht an den einzelnen Komponenten des Bergs an Gemüse und Fleisch haften bleiben und sammelte sich am Boden. Aber je tiefer ich zu diesem Boden des Nierentisch-Tellers vordrang, desto mehr merkte ich: Schärfe! Nicht feurige Schärfe natürlich. Aber immerhin etwas. Angenehm. Auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich sagen: eine gute 5. Den deutlichen Warnhinweis in roter Schrift rechtfertigte der Schärfegrad der Soße dann doch nicht. 

Mein Problem war nur, dass nun lediglich noch der zähe Reis auf meinem Teller lag, um die Soße zu genießen. Also habe ich es ziemlich schnell aufgegeben und meine Gelüste nach Schärfe blieben an diesem Tag unbefriedigt.

Worum es sich genau bei der Soße handelte, konnte ich natürlich nicht herausfinden – das ist einfach schwierig bei Stir-Fry-Gerichten. Möglicherweise war Chili-Öl beteiligt, wenn auch nicht besonders viel.

Generell war die Soße ansonsten recht salzig. Vermutlich hat hier der Brokkoli sein Unwesen getrieben.

Bewertung

Der lustige Trichter-Reis sah nur lustig aus und war ansonsten eine sehr traurige Angelegenheit. Der kriegt von mir 1 Punkt für die Präsentation, aber das war’s dann auch.

Das Fleisch war fein gewürzt und damit geschmacklich sehr gut, wobei ich gern auf Velvetisierung von Hühnerbrust verzichte und stattdessen lieber Schenkel nehme. 7 von 10 Punkten.

Das Gemüse litt unter dem versalzenen Brokkoli und generell der wilden Mischung europäischer Gemüsesorten, die (wie ich erst im Nachhinein erfahren habe) nichts in diesem Gericht zu suchen haben. Aber konkret war es abgesehen vom Brokkoli lecker und sättigend. 7 von 10 Punkten.

Die dünnflüssige, ölige Soße, die erst ganz am Schluss ihre milde Schärfe entfaltete, war für mich das Highlight des Gerichts, wenn man das so sagen kann. Und nicht einmal die erreicht die volle Punktzahl, sondern nur 8 von 10.

Immerhin gab es wieder eine schöne Ladung Koriander, und den günstigen Preis will ich auch nicht unterschlagen – viel Sättigung für wenig Geld. 

Handwerklich gebe ich diesem Hauptgericht 6 von 10 Punkten, unter Berücksichtigung des Preises aber sogar eine 7 von 10.

Das Fazit

Mein Besuch im Cây Tre hinterlässt gemischte Gefühle. Wer authentische vietnamesische Küche sucht, die über das übliche »Pan-Asien-Restaurant-Erlebnis« hinausgeht, wird hier vermutlich enttäuscht sein. Das Restaurant scheint sich stark an einen westlichen Durchschnittsgeschmack angepasst zu haben – mit viel Soße, viel buntem Gemüse und wenig Mut zur Originalität.

Handwerklich war das Essen weitestgehend okay, aber die Diskrepanz zwischen meiner Erwartung (vietnamesische Küche) und der Realität (eingedeutschtes Allerwelts-Wok-Gericht) war zu groß. Die enttäuschenden Soßen bei der Vorspeise und der lieblose, zähe Reis beim Hauptgericht trüben mein Bild zusätzlich.

Was hingegen für das Cây Tre spricht, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Für knapp 14 Euro bekommt man ein sättigendes Hauptgericht mit reichlich Fleisch in einer sehr zentralen Bonner Lage. Wer einfach nur satt werden will und keine kulinarische Reise nach Hanoi erwartet, ist hier richtig. Für mich persönlich war es jedoch zu wenig authentisch und zu viel »Standard-Asiate«, weshalb ich wohl nicht wiederkommen werde.

Schnitzel Diavolo im Steakhaus Kampe

Der exklusive Schnitzelclub, dem ich sehr zum Bedauern meiner Personenwaage angehöre, war gestern im Steakhaus Kampe im Hannoverschen Stadtteil Bothfeld.

Vorab gab es frisches, noch warmes Mischbrot mit dazu gereichtem Schmalz, einer Art – möglicherweise selbst hergestelltem – Ketchup ungarischer Art sowie einem grünen, sehr frisch schmeckenden und sehr leckeren Dip. Anschließend gab es einen kleinen, gemischten Salat.

Als mein Schnitzel kam, war ich visuell ziemlich enttäuscht – neben dem Schnitzel, das teilweise unter der Sambalsauce verborgen lag und dessen ansonsten knusprige Panade darunter absoff, lagen zwei einsame Palmherzen und ein paar armselige Kroketten auf dem Teller. Keine Deko, die die Speise wenigstens ein wenig optisch aufwerten würde – nicht mal eine Tomatenspalte oder ein Salatblatt.

Immerhin – das Schnitzel schmeckte sehr gut. Es war butterzart und in einer Art Butterschmalz gebraten, da, wo die Panade nicht von der ebenfalls leckeren (und gar nicht so teuflisch scharfen) Diavolo-Sauce aufgeweicht worden war, war sie annähernd perfekt gebraten (nur ein bisschen zu fest).

Auf die Palmherzen hätte ich gerne auch verzichtet, wenn das mit 11,50 Euro doch recht teure Gericht dann einen Euro günstiger geworden wäre. Und Kroketten sind halt Kroketten. Wer’s mag – bitteschön. Ich hatte das bei der Bestellung nicht wahrgenommen, sonst hätte ich lieber Pommes frites, Bratkartoffeln (mit 1,50 Euro Aufpreis!) oder schlicht Brot dazu genommen.

Fazit: Leckeres Schnitzel und viel vorneweg. Bei den Beilagen kann Kampe noch verbessern und die Preise nochmals prüfen. Insgesamt empfinde ich das Gericht als zu teuer.

Schnitzel gibt es im Steakhaus Kampe nur mittwochs.

Überraschendes Krankenhausessen: Mein Blinddarm und neue Geschmackserlebnisse

Und plötzlich liegt man im Krankenhaus und lässt sich den Blinddarm entfernen. Das eröffnet unerwartet neue Perspektiven, was Essen angeht.

Ich liege im Clementinenhaus in Hannover und bekomme Schonkost, konkret: Alaskaseelachs mit Kartoffelbrei und Möhren. So war es angekündigt. Ich bekam das hier:

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Nicht euer Ernst!? Püriert und in Form gepresst?? Ihr habt mir den Blinddarm entfernt, nicht die Zähne! (Oder? Moment, ich gucke kurz im Spiegel nach … nö, Zähne noch da.)

Wider Erwarten schmeckte dieses Assortissement an Nahrung im Astronautenschick jedoch erstaunlich gut, wenn man mal vom geringen Kauwert absieht. Ich will mich also überhaupt nicht über das Krankenhausessen hier im Clementinenhaus beschweren. Im Gegenteil. Aber ich freue mich darauf, dass es ab heute Abend für mich wieder was zu beißen gibt, nicht nur was zu lutschen.

Thai Curry Chicken im Pho3miên

Man kommt rein in den Asia-Imbiss. Auf den ersten Blick nicht anders als andere – offene Küche, in der zwei vertikal herausgeforderte Asiaten werkeln, beleuchtete Speisekarte darüber, der Geruch. Doch auf den zweiten Blick sieht der Laden reichlich skurril aus – Getränkekisten stapeln sich vor der Theke und dem Toiletteneingang. Der Gastraum ist einigermaßen geschmackvoll, zumindest ordentlich und sauber eingerichtet. Allerdings auch irgendwie abgerissen, wenn man sich die Wände anschaut.

Ich bin hier, weil mich ein Freund hergeschickt hat – im Pho3miên in Hannover, einem scheinbar schlichten, austauschbaren Asia-Imbiss.

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Doch der Schein trügt, wenn man zum Essen kommt. Im Gegensatz zu anderen Asia-Imbissen dieser Preislage dauert es verdächtig lange, bis das Essen auf dem Tisch steht. Kochen die etwa frisch? Aussehen tut mein »Thai Curry Chicken« (T4) zumindest so:

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Es schmeckt gut. Die Portion ist angemessen groß. Und es ist endlich endlich endlich einmal wirklich so scharf, dass der Hinweis »scharf« gerechtfertigt wäre.

Hier komme ich gerne wieder her. Auch wenn ich den Namen des Imbisses nicht richtig schreiben kann.

Schnitzel Wiener Art im Gilden im Zims

Endlich bin ich mal woanders als in Hannover, nämlich in Köln in der Vorkarnevalszeit. Eingeladen worden bin ich, um an einer Presseveranstaltung teilzunehmen, und zwar in einem altehrwürdigen Gasthaus, nämlich dem »Gilden im Zims«.

Die Lokalität ist absolut super – die alten Backsteine hat man vom Putz befreit und zeigt sie in voller Pracht. Die Räume sind sehr verwinkelt und schaffen eine intime Atmosphäre, obwohl eigentlich alles offen steht.

Zunächst gibt es »Kölsche Tapas« – dahinter verbergen sich Schnittchen und Frikadellen. Das berühmteste Schnittchen dürfte wohl der »Halve Hahn« sein, der mitnichten was mit Hühnern zu tun hat, sondern ein Käsebrot ist. Mit Gurke.

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Die Schnittchen sind total okay, und sie würden problemlos bis zum Abend vorhalten. Aber zwischen ihnen und dem Abend liegen noch zwei Gänge – glücklicherweise mit einigem zeitlichen Abstand.

Mein zweiter Gang besteht aus einem riesigen, fein plattgeklopften und sehr zarten Schnitzel Wiener Art mit einem beinahe schon vulgär großen Berg fantastischer Bratkartoffeln. Einzig die würzige Panade hätte einen Hauch fluffiger ausfallen können (aber das sage ich nur, weil ich unbedingt rummäkeln will). Das Schnitzel und die Bratkartoffeln waren wirklich sehr, sehr gut. Und ich habe die Hälfte der Kartoffeln und den kompletten, mitgelieferten Salatteller übrig lassen müssen, denn: nichts ging mehr.

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Mit gottlob einer erneuten kleinen Pause schob uns der immer aufmerksame Service schließlich noch das Dessert unter: einen Apfelstrudel. Vielleicht sollte man aber den Dom lieber in Köln lassen bzw. die Kirche im Dorf – Apfelstrudel gehört nicht ins Rheinland. Und so fühlte er sich auch an – ein Fremdkörper. Sehr trocken, sehr fest, geschmacklich allerdings völlig okay, und das obwohl Zimtzucker darüber gestreut war. Die mitgelieferte warme Vanillesauce, die ich schließlich über das trockene Dings löffelte, ließ den Strudel dann akzeptabel matschig werden, so dass ich letztendlich sagen kann: nicht gerade super, aber in Ordnung.

Hervorheben kann ich aber wirklich den Service (ein junger Mann übrigens), der immer da war, wenn man ihn brauchte, sich ansonsten aber im Hintergrund aufhielt. Ach ja, erwähnte ich, dass ich auch Schnitzel und Bratkartoffeln toll fand?

Currywurst/Pommes im Reimanns Eck

Schon lange habe ich keine Gastronomie-Kritik mehr eingestellt, vornehmlich deshalb, weil ich eine ganze Zeit nur da war, wo ich ohnehin immerzu hingehe.

Gestern Abend war ich aber mit einem Freund auf ein Bierchen im Reimanns Eck am Weißekreuzplatz in Hannover – ein Etablissement, mit dem ich schon einmal ganz üble Erfahrungen gemacht habe. Damals allerdings lag das vermutlich an einer riesigen Gruppe, mit der ich da aufgeschlagen bin. Darum: zweite Chance fürs Reimanns Eck!

Der Betrieb hebt sich positiv aus den ganzen nach dem Wirt benannten Kneipen dadurch hervor, dass die korrekte Rechtschreibung und nicht etwa das sogenannte Deppenapostroph (»Reimann’s«) zum Einsatz kommt. Schon mal was!

Wir bestellten uns ein kleines Bier und Currywurst / Pommes. Es dauerte ein paar Minuten, dann standen die Biere auf dem Tisch. Außerdem gab es ein Körbchen mit Brot und Frischkäse.

Das war auch nötig, denn die Wurst ließ trotz mäßigen Betriebs ganz schön auf sich warten. Insgesamt saßen wir wohl 20 Minuten, bevor die Wurst kam – eine dünne, gerade Bratwurst in Currytunke. Mein Freund kommt aus dem Ruhrgebiet. Der blickte die Reimann-Currywurst an wie Obelix eine Schale mit Rosenkohl.

Der Geschmack der Wurst: fad. Die Konsistenz: zu weich. Der Geschmack der Sauce: Vorne scharf, nachhaltig sauer im Abgang. Die Konsistenz: zu dünn. Immerhin waren die Pommes in Ordnung.

Die Currywurst reizt mich jetzt nicht, nochmal ins Reimanns Eck zu gehen. Könnte alles ein bisschen flotter, ein bisschen fröhlicher und ein bisschen leckerer sein.

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Bandnudeln mit Scampi im Petros

Beruflich bin ich seit 2009 mehrmals pro Woche in der Freundalle, das ist nicht weit vom sagenumwobenen Pferdeturm in Hannover. Quasi direkt neben der Institution, die ich dort als Dozent besuche, liegt ein griechisches Restaurant, dessen Ästhetik ich als sehr angenehm empfinde: Man verzichtet auf die übliche blaue Rechteckwelle und zeigt stattdessen einen Olivenzweig nebst entsprechenden Früchten. Auch auf pseudo-griechische Typographie wird verzichtet. Statt dessen setzt das Restaurant auf eine klassische und ziemlich römisch anmutende Antiqua. Der Laden heißt Petros Greek Restaurant – und ich war vorher nur ein einziges Mal dort, was am Preisgefüge liegt – auf der Karte liegt das günstigste Essen bei knapp unter 10 Euro. Damals (es war der Sommer vor zwei Jahren) saß ich draußen, so dass ich das Restaurant noch nie betreten habe.

Heute hatte ich dermaßen Schmacht, dass ich direkt nach dem Unterricht hingegangen bin. Innen ist das Petros sehr geschmackvoll eingerichtet. Die rustikalen Holztische werden pro Sitzplatz durch ein kleines Set aus blauweiß kariertem Stoff geziert. Eine Kerze leuchtet auf dem Tisch. Und dann war da noch die Papierserviette, die man irgendwie in jedem beliebigen griechischen Restaurant antrifft: blaue Rechteckwelle mit Spracherklärung. Gähn.

Bedient wurde ich, wenn ich das Bild auf der Website richtig deute, vom Chef persönlich: Petros Alexoudis. Er reichte mir die Karte und eröffnete mir, dass es zudem drei Mittagsangebote zu je 8,50 Euro gebe. Davon klangen die Bandnudeln mit Scampi und Kirschtomaten so lecker, dass ich dieses Gericht bestellte.

Zunächst einmal kam ein kleines Körbchen mit Brot. Wie das im mediterranen Raum üblich ist, schmeckt Brot eher nichtssagend. So auch dieses. Dafür war der Salat, den ich bekam, sehr lecker: ein kleiner Teller mit ein wenig Weißkraut, Kopfsalat, einer Tomatenscheibe, einigen Zwiebelringen und Champignonscheiben, gekrönt von einem leichten Joghurtdressing.

Noch bevor ich den Salat hatte verschlingen können, stand das Essen auf dem Tisch. Guckt Euch das Bild an. Genau so hat es geschmeckt. Mjam mjam mjam! Meine Frau allerdings wird mich heute schmähen – sie liebt Knoblauch überhaupt nicht…

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Pizza Parma con Rucola im Adriatico

Wenn man die unscheinbare, an der Marienstraße in Hannover gelegene Trattoria »Adriatico« betritt, empfängt einen das ungewöhnlichste Ausstattungsobjekt, das ich je bei einem Italiener gesehen habe: ein kleines Aquarium mit Guppys drin.

Das Ambiente ist reichlich kühl: Fliesen liegen auf dem Boden, die Wände sind ein Gemisch aus beige und apricot. Ein riesiger, getönter Spiegel an der Wand hinterlässt das Gefühl, von dahinter beobachtet zu werden. Die Tische scheinen einen Hauch zu niedrig zu sein, die Stühle einen Hauch zu hart. Draußen donnert der Verkehr über die Marienstraße.

Kann es schlimmer kommen?

Ich bestellte eine Pizza Parma. Sie wurde mit einem extra Pizzamesser geliefert, das sich als so scharf wie ein Teelöffel erwies. Auf der rechten Hälfte der Pizza machte das nix, weil der Teig so fluffig wie bei einem Hefezopf war. Links jedoch musste ich mich damit durch steinharten Keksteig bröseln. Natürlich ließ sich der Schinken damit nicht schneiden, sondern allenfalls zerreißen.

Geschmacklich betrachtet habe ich schon erheblich bessere Parma-Pizzen von Bringdiensten bekommen – und das will schon was heißen. Die Grundierung dieses Teigfladens war erstaunlich fade, und das konnte der viel zu dick geschnittene und teilweise harte Parmaschinken auch nicht rausreißen. Selbst der Parmesan war merkwürdig geschmacksarm.

Alles in allem: So eine Pizza brauche ich nicht noch einmal.

Interessanterweise war der Laden recht voll, was mich veranlasst zu glauben, dass das Essen hier sonst wohl besser ist und der Koch nur einen schlechten Tag hatte.

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