Teller mit Käseknöpfle, Röstzwiebeln und Schnittlauch

Badischer Heldt in Au bei Freiburg

Während wir unseren Sohn in Kanada wissen, wo er vermutlich von einem A&W zum nächsten A&W zieht, machen meine Frau und ich zwei Wochen Urlaub in Süddeutschland. Untergebracht sind wir seit heute für einige Nächte im Gasthof Zum Rössle in St. Ulrich, dessen Küche aber nur an wenigen Tagen in der Woche geöffnet ist – heute gehört nicht dazu. Also reservieren wir spontan zwei Plätze bei einer badischen Gastwirtschaft, an der wir kurz zuvor auf dem Weg hierher vorbeigekommen sind: der Badische Heldt im Dorf Au, etwas südlich von Freiburg im Breisgau.

Es ist Ende Juli 2026, 19:30 Uhr. Die Sonne verschwindet langsam hinter den Baumwipfeln auf dem Hügel gegenüber. Es sind 36 Grad im Schatten und der Laden ist brechend voll.

Das Ambiente

Die Terrasse des Badischer Heldt in Au

Wir sitzen auf der Terrasse direkt an der Ortsdurchfahrt. Ja, es gibt dadurch ein bisschen Verkehrslärm, aber der ist weit erträglicher als die Luft, die im Innenraum der Wirtschaft förmlich steht. Die in diesem Jahr schon zweite, tagelang anhaltende, extreme Hitzewelle, die über Deutschland hinwegwogt, fordert hier einfach ihren Tribut. Selbst dicke Mauern halten der Hitze nicht mehr stand.

Draußen zu sitzen hat den Vorteil, trotz der wahnwitzigen 36 Grad im Schatten wenigstens ein bisschen Windzug einzufangen. Leider hat es den Nachteil, dass auch im Jahr 2026 draußen noch immer geraucht werden darf – und auch wurde. Das hat uns natürlich massiv abgefuckt. Zeit, dass dieser Mist endlich vollständig verboten wird, sobald Gastronomie im Spiel ist. (Einen Tag später kehrten wir auf einer Wanderung irgendwo ein, und da waren massive »Rauchen verboten«-Schilder aus Messing in die Holztische des Biergartens eingeschraubt. Und alle hielten sich dran. Es geht also.)

Die Terrasse des Badischer Heldt in Au

Die Möblierung auf der Terrasse ist rustikal: Wir sitzen auf den üblichen, klappbaren Holz-Metall-Stühlen mit Lattensitz und Rückenlehne. Der schmucklose Tisch ist ein einfacher Holztisch mit Metallgestell – also Standard-Look deutscher Biergärten. Ein Tischtuch gibt es nicht. Dafür ist aber die ganze Terrasse gut beschattet. Mehrere helle Sonnenschirme zeigen unserem Zentralgestirn den Stinkefinger. Die Schirmdächer sind quadratisch geschnitten und bespannt, was für eine besonders lückenlose, großflächige Beschattung sorgt.

Auf allen Tischen stehen batteriebetriebene Fliegenwedel, die müde zwei Rotorblätter im Kreis schleudern. Die Fliegen lassen sich davon kaum beeindrucken, dafür schlagen die Wedel beim Kreiseln entweder dauernd gegen die hohen Gläser, die nach und nach unseren Tisch bevölkern, oder mir den Salat von der Gabel, die ich unvorsichtigerweise zum Mund zu führen gedachte. Darum schalten wir das Ding irgendwann ab.

Ein elektrischer Fliegenwedler dreht sich müde auf dem Tisch

Die Schankstube, die ich auf dem Weg zum Klo mal durchquerte, ist ebenso rustikal und ebenso einfach gehalten wie das Mobiliar draußen. Immerhin sind die Stühle drinnen gepolstert. Neben dem beeindruckenden Tresen, hinter dem das lokale Bier (Ganter aus Freiburg/Breisgau) gezapft wird, fällt mir der große Zwei-Zonen-Weinkühlschrank auf: 16 Grad und 5 Grad. Darin liegen etliche Flaschen aus der Region.

Der Service

Das gesamte Personal ist superfreundlich und unglaublich bemüht, aber auch total im Stress: Wegen des Wetters sitzen 20 unangekündigte Gäste im Schankraum, und andere Unangekündigte setzen sich einfach an reservierte Tische – zum Beispiel an unseren. Das hat zur Folge, dass der eigentlich eingespielt wirkende Betriebsablauf alles andere als eingespielt ist. Unser Service-Mann schwirrt sogleich ab, um uns einen anderen Tisch zu organisieren, kommt zwischendurch mehrfach mit frischen Getränken oder ausgetrunkenen Gläsern an uns vorbei und schafft es dennoch, uns innerhalb von fünf Minuten einen anderen (ebenfalls reservierten) Tisch zuzuweisen.

Dafür vergisst er, uns Karten zu geben. Nach einiger Zeit merken wir, dass zufällig zwei Karten direkt am Fuße unseres Tisches an der Hauswand lehnen. Dann nehmen wir also die. Irgendwann kommt er dann, und wir können bestellen. Die Bestellreihenfolge ist die Übliche: Erst die Getränke, dann die Speisen. Die Bestellung wird elektronisch aufgenommen und in die Küche übermittelt. Aber ausgerechnet die Getränke dauern ewig: Der Salat kommt, wird von uns gegessen und das Geschirr wieder abgeräumt, dann endlich wird das Wasser, das Bier und der alkoholfreie Sekt geliefert. Zwischendurch kommen immer wieder andere Service-Kräfte und fragen, ob wir schon bekommen. Es ist also eine typische »ALL HANDS ON DECK«-Situation, bei der die linke Hand nicht weiß, was die Rechte macht. Und trotzdem: alle lächeln, alle sind gut gelaunt. Das Team scheint gut motiviert zu sein.

Die Bestellung

Während unser Sohn in Kanada ist, können meine Frau und ich all die Leckereien kochen und essen, die er als Teenager rigoros ablehnt. Darum läuft bei meiner Frau und mir gerade eine »Fleischfrei«-Challenge – wir wollen während seiner Abwesenheit so wenig Fleisch wie möglich zu uns zu nehmen. Und bisher ist uns das auch ganz gut gelungen: In drei Wochen mussten wir, die normalerweise eine recht fleischlastige Kost zu uns nehmen, nur zwei Mal mogeln – und beide Male aus sozialem Zwang heraus. (Wer ältere Verwandtschaft in Thüringen hat, weiß, wovon ich spreche). Den Rest haben wir vegetarisch oder vegan geschafft, und das sogar ohne große Probleme.

In diese Probleme rennen wir aber jetzt. Denn badische Spezialitäten bestehen vornehmlich aus Teilen toter Tiere. An vegetarischen Gerichten bietet der Badische Heldt auch entsprechend nicht allzu viel. Immerhin stehen Käseknöpfle (nicht: Käsespätzle) mit Beilagen-Salat auf der Karte, und das für nur 20 Euro – das ist damit gleichzeitig eines der preiswertesten Gerichte, mit denen der Heldt aufwartet. Und damit bestelle ich mir diese Knöpfle.

Der Salat

Der Salat besteht aus einer üppigen Portion gut kleingerissener Salatblätter verschiedener Blattsalat-Sorten. Dazu kommen ein paar Gurkenscheiben, eine einsame, halbe (!) Cherrytomate und eine Handvoll Maiskerne. Mehr braucht es gar nicht für einen hervorragenden Salat. Allerdings steht und fällt natürlich alles mit dem Dressing. Dieser Salat ist angemacht mit einer Sauce, die förmlich »Vinaigrette!« schreit, aber irgendwie zu weiß dafür ist – ist da vielleicht ein Löffel Joghurt mit drin? Ansonsten: säuerlich, kräuterig, mild und sehr lecker. 

Die Käseknöpfle

Teller mit Käseknöpfle, Röstzwiebeln und Schnittlauch

Als an den Nachbartischen Berge an Fleisch aufgetragen werden, habe ich etwas Sorgen, was meine Käseknöpfle angeht. Denn derartige Mengen würde ich nie im Leben schaffen. Und dann kommt mein Teller. Die Knöpfleportion sieht erschreckend klein aus. Geradezu winzig, verglichen mit den Portionen der Nachbartische. Aber das hier sind Käseknöpfle, die stopfen ganz schön.

Diese Knöpfle entpuppen sich als butterig-zart. Der Käse bleibt in seiner Menge hinter meinen Befürchtungen zurück und steht in einem sinnvollen Verhältnis zu den Knöpflen, sprich: Das Gericht schwimmt nicht in Fett. Auch geschmacklich ist der Käse hervorragend – ganz harmonisch fügt er sich ein, ohne sich geschmacklich in die erste Reihe zu drängeln. Die gehört eindeutig den Knöpfle. Dezent schwingt auch eine leichte Knoblauchnote mit. Getoppt wird das Gericht von superknusprigen Röstzwiebeln, deren Aroma auffällig unauffällig bleibt. Die meisten Röstzwiebeln (besonders die aus dem Supermarkt) schmecken nämlich furchtbar. Diese hier hingegen: bombastisch. Oben drüber noch ein bisschen Schnittlauch und das Ergebnis ist die beste Käsespätzle-Variation, die ich je gegessen habe. Punkt. 

Fazit

Wir wollten natürlich in unserer Zeit in Baden nicht nur im Badischer Heldt einkehren, darum bleibt es bei diesem einmaligen Besuch. Aber wenn der Rest der Karte auch nur halb so geil ist wie diese Käseknöpfle, dann wundert mich nicht, warum der Laden an diesem Abend so brechend voll war.

Website: badischer-heldt.de

Badischer Heldt in Au

Badischer Heldt in Au
8 10 0 1
8/10
Total Score
  • Ambiente
    7/10 Okay
  • Service
    8/10 Sehr gut
  • Salat
    8/10 Sehr gut
  • Käseknöpfle
    10/10 Überwältigend gut

Schreibe einen Kommentar