Mal ehrlich – was kann man kulinarisch schon groß erwarten, wenn man mit einer Fähre von BC Ferries zwischen Vancouver (Horseshoe Bay) und einem Nest namens Gibsons (Terminal Langdale) ca. 10 Seemeilen weit und ungefähr 40 Minuten lang unterwegs ist?
Nicht viel.
Aber wir hatten Hunger, und so mussten wir ins Bordrestaurant. An Bord von BC Ferries ist die kanadische Restaurant-Kette White Spot zuständig für das Catering. White Spot hat seinen Hauptsitz in Vancouver und wurde bereits 1928 gegründet. Der Ursprung ist schon krass: Der Gründer hatte in Vancouver einen Ford-T in einen mobilen Imbiss umgebaut begann und dann Kanadas erstes Drive-In-Restaurant an einem Aussichtspunkt in Vancouver eröffnete. Das Konzept »Car Hop Service« – Bedienung direkt am Auto – war damals eine Neuheit und machte White Spot äußerst populär. In den ersten Jahren standen BBQ Chicken und andere einfache Gerichte auf der Speisekarte, bevor die mittlerweile ziemlich legendären Burger eingeführt wurden. Heute ist White Spot der älteste Restaurantbetrieb Kanadas.
An Bord der größeren BC Ferries bietet White Spot ein eingeschränktes Menü mit bekannten White-Spot-Klassikern an. Die Speisekarte ist im Vergleich zu den regulären White-Spot-Filialen etwas reduziert, aber weiterhin werden die charakteristischen Gerichte aus hochwertigen, möglichst kanadischen Zutaten angeboten.
Das Ambiente

Eine Fähre ist vor allem eins: funktional. Daher ist vom Ambiente nicht viel zu erwarten. Auf der einen Seite geht es rein, am Tresen werden die Speisen und Getränke gewählt, dann wandert man weiter zu den Kassen und bezahlt, anschließend geht es in den Gastraum. Da sitzt man dann an festgeschraubten Tischen (ja, die See kann in British Columbia ab und zu ziemlich rau werden) und isst, was immer man sich geholt hat.

Der Service
Sagen wir es so: Es geht ziemlich flott. Und trotzdem wird einem lächelnd der übliche kanadische Gruß (»Hi! How are you today?«) entgegengerufen. Mein Sohn wollte für seinen Burger eine Extrawurst gebraten bekommen, und das wurde problemlos und superschnell zusammengebastelt. Also echt: Respekt.
Die Bestellung
An Bord unserer Fähre gab es reichlich Auswahl, und weil wir nicht vertraut mit dem Menü waren, hat es bei uns etwas länger gedauert. Meine Frau wollte gar nichts (und hat am Ende die Hälfte unserer Pommes weggenascht), mein Sohn und ich nahmen dasselbe, nämlich den Hamburger namens »Legendary Deluxe with Cheese« (mein Sohn: ohne Cheese) als Combo mit Pommes und Softdrink für 17,39 CAD (10,81 Euro) vor Steuern.
Legendary Deluxe with Cheese Combo
Wir wickelten den Burger aus, und das Erste, was uns entgegenkam, war die längs aufgeschnittene Scheibe einer sauren Gurke, die ins Papier eingewickelt war. What the heck?

Dann fand ich heraus, dass diese Gurkenscheibe bei White Spot normalerweise direkt auf dem oberen Burger-Bun liegt – was es irgendwie auch nicht besser macht. Aber das scheint so ein Ding bei White Spot zu sein: Der Pickle liegt halt obendrauf.
Das habe ich dann hier einmal nachgestellt:

So lässt sich natürlich kein Hamburger essen, also habe ich den Deckel abgehoben und die Gurkenscheibe darunter abgelegt. Für mich stellt sich die Frage, warum die Gurkenscheibe überhaupt oben drüber liegt. Nehmen so viele Leute die Gurken aus ihren Burgern, dass sich White Spot dachte: »Das machen wir ihnen ein bisschen einfacher«? Keine Ahnung.

Während ich die ganzen Fotos machte, mümmelte mein Sohn schon fröhlich vor sich hin. Zwischen zwei Bissen sagte er: »Für Fähren-Fraß erstaunlich gut.«
Das musste ich jetzt auch probieren.
Der Burger besteht aus 100 % kanadischem Rindfleisch, geschreddertem Salat, einer breit geschnittenen Tomatenscheibe und dem allgegenwärtigen wie aromafreien Plastikkäse. Außerdem befindet sich die spezielle Triple »O« sauce auf dem Burger, die es nur bei White Spot (und dessen Ableger Triple O‘s) gibt.
Der Name »Triple O« bezieht sich übrigens nicht auf drei Zutaten in der Soße oder so. Er stammt – so die Legende – aus der Zeit der Drive-in-Restaurants, in der die Kellner:innen angeblich die Abkürzung »ooo« auf den Bestellscheinen verwendeten, um einen Burger mit extra vielen Belägen zu kennzeichnen. Ob diese Legende stimmt, konnte ich allerdings nicht verifizieren.
Diese Soße besteht, so viel konnte ich herausfinden, im Wesentlichen aus der Mischung einer speziellen Voll-Ei-Mayonnaise mit einem rotem Hamburger-Relish, wobei das Relish der Soße auch ihre leicht orange Farbe verleiht. Sie schmeckt etwas süß‑säuerlich und leicht pikant, mit deutlicher Gurken‑ und Zwiebel‑Note aus dem Hamburger‑Relish und besitzt ein weiches, mayonnaiseartiges Mundgefühl.
Das hätte ich gerne auch erlebt. Aber das funktioniert wohl nur dann, wenn nicht ein halber Liter auf den Burger geklatscht wird. Genau das allerdings war meinem Burger zugestoßen (zumindest gefühlt). Das Ergebnis war, dass nicht nur alles ausschließlich nach der Soße schmeckte, sondern dass es auch überall heraustropfte und -matschte und sich sämtliche Beläge des Burgers bei jedem Bissen erneut fragen mussten, in welche Richtung sie jetzt wohl am besten davonflutschen sollten.
Die Sauerei auf meinem Tablett war enorm. Beim Burger meines Sohnes hielt sich das Getropfe und Geschmaddere zwar etwas mehr in Grenzen – dort war nicht ganz so viel Soße verwendet worden – aber unsere Hände sahen trotzdem aus, als hätten wir persönlich die Triple »O« sauce mit unseren Händen auf den Burger geschöpft.
Abgesehen davon, dass es einfach viel zu viel des Guten war: Immerhin war es des Guten. Die Soße ist tatsächlich richtig lecker. Schade, dass ihr Geschmack alles andere überdeckte.
Aber, um die Worte des Sohnes zu wiederholen: »Für Fähren-Fraß erstaunlich gut.« Sagen wir: 6 von 10 Punkten.
Die Pommes

Ein riesiger Berg Fritten kam mit dem Combo-Gericht. Und ein noch riesigeres Schild informierte darüber, dass White Spot die Kennebec-Kartoffel für diese Fritten benutzt. Da musste ich natürlich gleich nachschauen, was genau das für eine Sorte ist.
Die Kennebec ist weißfleischig und weist eine Kombination aus relativ niedrigem Wassergehalt und gutem Stärkeprofil auf. Darum gilt die Kennebec als besonders geeignet zum Frittieren: Pommes und Kartoffelchips profitieren besonders, wenn sie aus Kennebec-Kartoffeln hergestellt werden.
Die ganze Familie fand, dass die Fähren-Pommes innen schön cremig-weich und außen angenehm angeknuspert (aber keineswegs hart) waren. Insofern herrschte Einigkeit: Das ist die optimale Kartoffel für Pommes. Dann aber hört diese Einigkeit sofort auf: Meine Frau und ich fanden den Geschmack eher nichtssagend bis langweilig, meinem Sohn waren sie »zu kartoffelig«. Meine Frau fand sie zu salzig, während ich mich über das Salz freute, damit die Dinger für mich überhaupt nach was schmeckten.
Ob die Langweiligkeit dieser Pommes nun an der Kennebec-Kartoffel an sich oder an diesem speziellen White Spot-Spot auf der Fähre lag – keine Ahnung. Ich persönlich fand diese Fritten zwar nicht besonders schlimm, aber auch nicht gerade bemerkenswert. Hätte ich mir nicht direkt Notizen dazu gemacht, hätte ich jetzt – ein paar Tage später – keinerlei Erinnerung mehr an sie.
Da man mit Pommes eigentlich nichts falsch machen kann, hier aber offensichtlich irgendwas falsch gelaufen ist, werte ich sie mit 5 von 10 Punkten. Und die gibt es nur wegen des guten Mundgefühls.
Das Fazit
Kommen wir zurück zur Eingangsfrage: Was kann man kulinarisch erwarten, wenn man mit einer Fähre von BC Ferries zwischen Vancouver (Horseshoe Bay) und einem Nest namens Gibsons (Terminal Langdale) ca. 10 Seemeilen weit und ungefähr 40 Minuten lang unterwegs ist?
Wir hatten nicht viel erwartet, und die Pommes passen da ins Bild. Der Burger allerdings war etwas ein kleines bisschen besser als gedacht. Mein Sohn hatte zudem etwas mehr Glück als ich, weil er weniger Soße auf seinem Brötchen hatte.
Würde ich das Gericht empfehlen? Nein, eher nicht. Andererseits ist es mit knapp unter 12 Euro auch echt preiswert. Und wer es lieber nicht probieren möchte: An Bord gibt es auch Salate und andere Speisen zu kaufen, die vielleicht besser passen.