Archiv der Kategorie: Italienisch

Pizza Parma con Rucola im Adriatico

Wenn man die unscheinbare, an der Marienstraße in Hannover gelegene Trattoria »Adriatico« betritt, empfängt einen das ungewöhnlichste Ausstattungsobjekt, das ich je bei einem Italiener gesehen habe: ein kleines Aquarium mit Guppys drin.

Das Ambiente ist reichlich kühl: Fliesen liegen auf dem Boden, die Wände sind ein Gemisch aus beige und apricot. Ein riesiger, getönter Spiegel an der Wand hinterlässt das Gefühl, von dahinter beobachtet zu werden. Die Tische scheinen einen Hauch zu niedrig zu sein, die Stühle einen Hauch zu hart. Draußen donnert der Verkehr über die Marienstraße.

Kann es schlimmer kommen?

Ich bestellte eine Pizza Parma. Sie wurde mit einem extra Pizzamesser geliefert, das sich als so scharf wie ein Teelöffel erwies. Auf der rechten Hälfte der Pizza machte das nix, weil der Teig so fluffig wie bei einem Hefezopf war. Links jedoch musste ich mich damit durch steinharten Keksteig bröseln. Natürlich ließ sich der Schinken damit nicht schneiden, sondern allenfalls zerreißen.

Geschmacklich betrachtet habe ich schon erheblich bessere Parma-Pizzen von Bringdiensten bekommen – und das will schon was heißen. Die Grundierung dieses Teigfladens war erstaunlich fade, und das konnte der viel zu dick geschnittene und teilweise harte Parmaschinken auch nicht rausreißen. Selbst der Parmesan war merkwürdig geschmacksarm.

Alles in allem: So eine Pizza brauche ich nicht noch einmal.

Interessanterweise war der Laden recht voll, was mich veranlasst zu glauben, dass das Essen hier sonst wohl besser ist und der Koch nur einen schlechten Tag hatte.

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Aufreger des Tages: Yukon Bay im Zoo Hannover

Mit Frau und Kind war ich heute im Erlebniszoo Hannover. Um 12 wurde der Kleine (etwa anderthalb) quengelig, deshalb sind wir in die Yukon Bay eingekehrt, um zu essen und um ihn anschließend im großzügig dimensionierten und toll ausgestatteten Wickelraum des Restaurantkomplexes (Fischtheke, Salatbuffet, Grillstation, Nudelbar, Sandwichauswahl, Eissalon, Diner und Café) mit einer frischen Windel zu versorgen.

Ich rege mich jetzt noch immer auf, deshalb ganz schnell vorweg: Ich aß Nudeln mit einer Sauce Bolognese, die günstig waren und lecker hätten sein können, wenn ich mich nicht so hätte ärgern müssen. Die Sauce war sogar eine richtige Bolognese, mit Möhren und Sellerie. Aber das ist hier jetzt komplett egal, denn, wie gesagt, ich rege mich auf.

Während meine Frau das mitgebrachte Essen des Sohnemanns in der eigens dafür vorgesehenen, frei zugänglichen Mikrowelle erwärmen ging, suchte ich mit dem Knirps auf dem Arm nach einem Kinderstuhl. Ich fand keinen. Auch der Blick anderer Eltern schweifte rätselnd umher. Schließlich fragte ich ein vielleicht 20-jähriges Mädel vom Service, wo ich denn einen Kinderstuhl finden könnte. Ihre Antwort: »Es gibt keinen.« Da muss ich ganz schön perplex geguckt haben, denn sie zuckte entschuldigend mit den Schultern und fügte hinzu: »Das Familienrestaurant im Zoo ist das Mullewupp. Da gibt es Kinderstühle.«

Moment mal. Das Familienrestaurant im Erlebniszoo Hannover ist das Mullewupp? Das ist doch Schwachsinn! Denn wenn das so ist, warum gibt es dann im Restaurantkomplex der Yukon Bay einen Wickelraum und eine Mikrowelle – offenbar doch wohl für Babys und Kleinkinder? Warum also gibt es nicht auch Stühlchen, wie es sie in jeder Kaschemme an der Autobahn gibt? Zu teuer in der Anschaffung oder was?

Tut mir Leid, sagte der Blick der Servicekraft. »Wir finden das auch total bescheuert. Die Gäste laden ihren Ärger über die fehlenden Stühle jeden Tag bei uns ab, und wir geben das immer weiter, aber es ändert sich nichts. Die Geschäftsführung will es so.«

Dieser Geschäftsführung werde ich – ergänzend zu diesem Beitrag hier – einen Brief schreiben. Die sollte sich mal in die Restaurants der Yukon Bay setzen und gucken, ob ihre Festlegung auf das Mullewupp als einziges »Familienrestaurant« des Zoos nicht gänzlich an der Realität vorbeigeht. Und vielleicht sollte sie auch erläutern, was genau ein »Familienrestaurant« überhaupt sein soll. Vielleicht mit einer sinnvollen Erläuterung, weshalb die anderen Restaurants im Zoo nicht auch Familienrestaurants sein können.

Dieses Erlebnis im angeblich familienfreundlichen Erlebniszoo Hannover hat meiner Frau und mir so dermaßen die Laune verhagelt, dass wir nach dem Essen und Wickeln auf dem direkten Wege den Zoo verlassen haben. Ob wir uns in der nächsten Saison noch einmal je eine Jahreskarte kaufen werden, ist eher unwahrscheinlich. Willkommen scheint unsere Familie trotz der exorbitanten Preise des Zoos ja nicht gerade zu sein.

Ravioli bei ecco Feinkost

Heute Mittag hatte ich einen Termin bei einem Kunden, dessen Räumlichkeiten oberhalb der Galerie Luise in Hannovers Innenstadt thronen. Nachdem meine Ansprechpartnerin und ich mit dem fachlichen Teil durch waren, entschieden wir, noch einen Happen essen zu gehen. Wir gingen ins ecco, das den Seiteneingang zur Galerie flankiert und das zur Mittagszeit proppevoll war. Wir fanden dennoch ein Plätzchen.

Während das Ambiente des ecco eher etepetete und schickimicki ist, ist das Essen fulminant. Ich bestellte mir Ravioli mit einer Ricotta-Spinat-Füllung und einer Sauce aus Butter und Parmesan für insgesamt 7,70 Euro. Da dieses Gericht vegetarisch war, war da auch bestimmt nicht eine einzige Kalorie drin.

Die Ravioli waren perfekt al dente, die Füllung wunderbar. Die geschmolzene Butter und der geriebene Parmesan, der die Nudeltaschen in einer dicken Schicht bedeckte, passten hervorragend dazu. Sehr empfehlenswert!

Einzig der Service ließ ziemlich zu wünschen übrig. Wir sind von insgesamt drei Personen bedient worden, und keine davon schien besonders motiviert zu sein. So saßen wir zu Beginn mehr als fünf Minuten an einem Tisch, auf dem noch die Reste unserer Vorgänger herumstanden. Erst dann erbarmte sich jemand und räumte ab. Wir bekamen unser Essen zu unterschiedlichen Zeitpunkten mit wieder mehr als fünf Minuten Wartezeit dazwischen. Zwischen den beiden Gerichten kam jemand mit einem Lappen und feudelte die Krümel unserer Vorgänger weg. Verbesserungswürdig.

Doch wer über Mankos im Service hinwegsehen kann, bekommt im ecco hervorragende, frisch zubereitete italienische Küche zu absolut fairen Preisen. Und wenn ich mal wieder mittags in der Gegend bin, schau ich da bestimmt auch noch mal hinein.

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Wow-Erlebnis im Piu

Nach der Imbissbuden-Pizza gestern schleifte mich heute mein Twitter-Bekannter @jmbverlag ins Piu am Clevertor. Dort sei die Pizza ganz fantastisch.

Nun ja. Das hatte ich gestern schon einmal so ähnlich gehört.

Diesmal allerdings stimmte es.

Das Piu ist kein typischer Italiener, sondern sogar schon von außen sehr trendy aufgemacht. Man sitzt an erhöhten, hellen Holztischen auf Barhocker-ähnlichen Sitzgelegenheiten und bekommt eine ziemlich szenige Speisekarte vorgelegt, die anfangs etwas verwirrend ist. Die Speisen sind auf der Karte nämlich innerhalb ihrer Gruppierung („Pasta“, „Pizza“, „Carne“ etc.) in Preisklassen einsortiert – was ziemlich sinnlos ist angesichts eines gut überschaubaren Angebots, das auf ein DIN A4-Blatt passt.

Sobald man sich da durchgefunden hat und feststellt, dass die Pizza Parma in der höchsten Preiskategorie angesiedelt ist (nein, da hätte ich sie ganz bestimmt nicht von selbst vermutet), kann es losgehen. Wenn denn mal die Bedienung käme. Irgendwann kam sie.

Ich bestellte eine Pizza Parma, die in der Version „Grande“ nicht ganz acht völlig gerechtfertigte Euro kostet. „Grande“ bedeutet im Piu etwa eine 20-cm-Pizza, was klein ist. Die „Piccoli“ möchte ich dann lieber nicht sehen. So klein die Grande auch ist, so grandios ist ihr Geschmack. Die Pizza im Piu ist wirklich und wahrhaftig italienisch: superdünn ausgerollter, sehr knuspriger, fast schon keksartiger Teig, der garantiert nicht durchmatscht, und auch der Saucenbelag ist nur dünn aufgetragen. Meine Pizza Parma war vollständig mit echtem, hauchdünn geschnittenem Parmaschinken belegt, darüber türmte sich genau die richtige Menge Rauke, und darüber hatte jemand sehr großzügig frischen Parmesan gehobelt, bei dem die Salzkristalle nur so knackten.

Drei Silben von mir für dieses Gericht: Fan. Tas. Tisch. Ins Piu gehe ich ab sofort öfter.

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Pizza mit Knoblauchsauce

Heute war ich mit Dirk Hillbrecht von der Piratenpartei bei Pizza Piccoli an diesem gümmeligen Multiplexkino in der Nikolaistraße in Hannover. Angeblich sei die Pizza dort ganz toll.

Nun ja.

Allein die Tatsache, dass man allen Ernstes gefragt wird, ob man eine Knoblauchsauce zu seiner Pizza haben wolle (egal welcher Belag!) lässt nichts Gutes ahnen. Ich bestellte eine, die mit scharfem Huhn belegt werden sollte und schlug entsprechend die Knobisauce aus. Dirk hingegen nahm sie (und sie sah dann, als sie kam, auch gut aus und roch appetitlich. Augenscheinlich ist sie hausgemacht). Die 28-cm-Pizza kostet dort zur Mittagszeit inklusive eines 0,2-Liter-Getränks 5 Euro – ein Preis, bei dem ich nicht zu viel meckern will.

Die Pizza war sehr fluffig, also im allgemein fragwürdigen, amerikanischen Stil gehalten. Reich belegt zwar, aber von Schärfe – das Attribut des Huhns – war nichts zu bemerken. Insgesamt hinterließ die Pizza im Bauch ein Gefühl der Völle, geschmacklich jedoch eher eins der Leere. Insgesamt war ich trotz des niedrigen Preises etwas enttäuscht.

Auch nicht sonderlich schön ist das Ambiente, das sich am besten als Showküche-Bistro-Lounge-Crossover definieren lässt. Oder zu deutsch: nicht Fisch, nicht Fleisch. Immerhin war’s sauber, obwohl die Tische optisch (und nur optisch) einen klebrigen Eindruck machten. Das Personal war okay, auch wenn sich das Mädel zumindest heute nicht von selbst zu einem Lächeln durchringen mochte. Vielleicht ist sie unterbezahlt.

Pizza im Pizza Piccoli Hannover