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Frühstücksbuffet im Hotel »Auszeit«, Düsseldorf

Einer beruflichen Veranstaltung wegen war ich in Düsseldorf. Dort war ich im Hotel Auszeit untergebracht. Weil der Name dieses Hotels so doof klingt, hat der mitreisende Kollege gleich mal die Rezensionen gecheckt. »Großartiges Frühstücksbuffet«, hieß es da und »Tolles Frühstück«. Auch »Noch nie so ein gutes Frühstücksbuffet gesehen« war zu lesen, und »Allein des Frühstücksbuffets wegen sollte man ins Auszeit gehen«. Wir wurden sehr, sehr misstrauisch.

Als die Nacht vorbei war, trafen wir uns am Frühstücksbuffet. Und dazu fallen mir nur Ausdrücke ein wie überwältigend, fulminant, grandios, unglaublich, wahnsinnig.

Wer den etwa vier mal sechs Meter großen Buffet-Bereich betreten will, kommt zunächst einmal an einem Regal vorbei, in dem 21 Sorten Honig darauf warten, vernascht zu werden. Darunter nicht bloß Feld-, Wald- und Wiesenhonig, sondern auch Eukalyptus-Honig, Koriander-Honig und Edelkastanien-Honig.

21 Sorten Honig

Nach diesem ersten Schock eröffnete sich rechterhand das Tee-Regal – dort gab es geschätzte 25 oder 30 Tees zur Auswahl, und obenauf standen nicht weniger als zehn Sorten Zucker, einige davon aromatisiert (Limette, Orange, Lavendel etc.). Natürlich gab es auch Kakao, Milch und andere Heißgetränke. (Kaffee wurde in einer Thermoskanne direkt an den Tisch geliefert.) Vor den Tees standen die Nachtische: Cupcakes, Pfannküchlein mit Cranberry-Marmelade, Apfelkuchen etc. Ein Waffeleisen (Ahornsirup und ähnliche Zutaten standen bereit) knallte in meinem Beisein durch, weil ein unachtsamer Gast das Stromkabel mit gebacken hatte. In der Ecke konnte man sich Toasts rösten lassen.

Im Anschluss fanden sich dann frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte: Orange, Pampelmuse, Tomate, Karotte, Mango und mehr. Links daneben fanden sich Quark (40, 20 und 10 % Fettstufe) und Joghurts in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Wieder links daneben gab es einige Salate, etwa Meeresfrüchtesalat, dann folgte eine Fischplatte mit Forelle, Graved Lachs, Räucherlachs, Rollmops, Sushi etc., woran sich eine ausgesprochen umfangreiche Käse- und Wursttheke anschloss.

Im Vordergrund: Wurst- und Käsetheke, Mitte: Salate, Hintergrund: Quark und Joghurt und die Getränke

Nun folgte die Warmhaltetheke mit dem, was ich irgendwie nur im Hotel esse: Rührei mit Schnittlauch, Bacon, kleine Würstchen, Frikadellen, Teigtaschen, Mini-Hamburgern (!) und noch mehr, an das ich mich schon gar nicht mehr erinnern kann.

Wer Hotelfrühstück kennt, der weiß, dass es meistens so zwischen sechs und acht Sorten Marmelade/Schokocreme/Honig zu wählen gibt. In den meisten Hotels kommt der süße Brotaufstrich aus Plastikportionstöpfchen, in den besseren Hotels werden die Gläser anständig präsentiert. Im Auszeit gibt es, wie ich eingangs erwähnte, bereits 21 Sorten Honig. Wie würde sich wohl das Marmeladensortiment präsentieren? Nun, ich glaube, ich lasse einfach mal ein Bild für sich sprechen:

Ein, zwei Töpfchen Marmelade

Neben dem obligatorischen 5-kg-Nutella-Glas gibt es etliche weitere Nuss-Nougat-Cremes, darunter auch die beste, die ich kenne (und die es im Westen der Republik kaum zu finden gibt): Nudossi aus Radebeul. Aber auch die exquisite Chocolat-Serie findet sich unter den Schoki-Aufstrichen, und selbst amerikanischer Marshmellow-Aufstrich ist dabei. Es gibt Erdnuss-Mus (und -butter), Cashew-Mus und noch ein drittes Nuss-Mus.

Der Rest des Marmeladen-Buffets ist Legende. Neben handelsüblicher Marmelade und Konfitüre aus zum Beispiel Erdbeere oder Aprikose gibt es auch Sorten mit Holunder oder Feige. Der Hammer aber ist, dass es eine ganze Menge selbstgemachter Marmeladen gibt: Erdbeer-Minze, Pflaume-Rotwein und noch viele, viele andere Kompositionen. Ich wusste gar nicht recht, wo ich anfangen sollte. Also drehte ich mich zunächst mal um, denn dort standen auf einer frei stehenden, ovalen Theke das Müsli und das, was man neuerdings dank eines Werbetexters mit amputiertem Frontallappen mit dem kruden Begriff »Cerealien« belegt.

Es gab dort normales Müsli und Müsli mit Knusper, normales Müsli mit Schoko und Knusperschokomüsli, Müsli mit Kokos, Müsli mit Cranberrys und und und. Dann folgten Kellog‘s- und Nestlé-Produkte, und zwar in einer Vielzahl, wie sie mein Edeka-Center mit 30 Metern Regallänge nicht aufbringen kann. Cornflakes, Frosted Flakes, Cornflakes mit Nüssen (Mandeln?), Special-K und andere Maisflocken. Cini-Minis, Weetabix, und Gott-weiß-was. Da gab es sogar Sachen, die ich schon seit Jahren als vom Markt verschwunden wähnte – Fruit Loops zum Beispiel oder Rice Crispies. Und es gab Dinge, von denen ich in meinem Leben noch nichts gesehen und gehört hatte. Nun bin ich kein Frühstücksflockenmensch, von daher bin ich auf diesem Gebiet nicht gerade als Kapazität zu verstehen. Dennoch hat mich das ganze Industriezeug in seiner schieren Vielfalt schlicht erschlagen.

Und das war erst die eine Hälfte des Müslibuffets. Denn natürlich gab es auch einfach Krams zum Müsli-selber-basteln: Haferflocken, Leinsamen, Kürbiskerne und mehr. Dieses »mehr« fand sich auf der anderen Seite der Theke.

Rosinen, Apfel- und Pfirsichscheiben, Kaki-Streifen, getrocknete Erdbeerstückchen, Hasel-, Wal- und Macadamia-Nüsse, Cashewkerne, Brombeeren in weißer Schokolade, Himbeeren in Edelbitter-Schokolade, Schokoladensteine … das ist jetzt vielleicht ein Zehntel dessen, was es dort wirklich gab. Das Bild, das etwa eine Hälfte und nur eine Seite der gesamten Länge der Theke zeigt, gibt vielleicht einen ganz guten Eindruck:

Eine Hälfte des Müslibuffets

Ich bin im Auszeit sechs Mal (sechs Mal!!) ans Buffet gegangen. Probiert habe ich:

– Rührei, Bacon, Mini-Frikadelle, Mini-Würstchen (2x)
– Brötchen mit Holunder- und Feigen-Marmelade
– Forelle, Graved Lachs und Räucherlachs mit Pistazien
– Fleischspießchen
– Pfannkuchen mit Cranberry-Marmelade

Alles, alles, alles war super-super-lecker. Das einzige, was wirklich gar nicht ging, war der Filterkaffee aus der Thermoskanne. Das nächste Mal trinke ich dann lieber Kaba. Oder Kaba Erdbeer. Oder Kaba Vanille. Oder Kaba Banane. Oder Kaba Himbeere. Oder … oder … oder …

Das Frühstücksbuffet im Auszeit kostet nur 15 Euro – wer also zufällig mal in der Ecke ist, sollte sich das nicht entgehen lassen. Hier der Link zum Hotel.

Rumpsteak Trocadero

Ich habe die Ehre, einer exklusiven hannoverschen Gemeinschaft anzugehören, die sich einmal im Monat triift, um den Body Mass Index (BMI) zu tunen, sprich: sich einen Spoiler anzufressen. Heute feierte die Gruppe ihr sechsjähriges Bestehen im Trocadero.

Das Trocadero ist ein Laden, der, wenn Hannover ein helles, pulsierendes Zentrum hat, am weitesten davon entfernt ist. Noch hinter dem Zollamt liegt es. Die Küche ist am treffendsten mit „international“ umschrieben. Es gibt das gute deutsche Zigeunerschnitzel, einen kasachischen Spieß, Gyros, Djuvec-Reis vom Balkan, Steaks, Ravioli und was sonst noch. Stolz scheint das Haus auf seine Steaks zu sein, die es zum Dauertiefpreis von knapp 12 Euro für 220 g Rumpsteak anbietet. Selbst Filetsteaks kosten nur knapp 17 Euro.

Da die Steaks schon einmal zu diesem Hammerpreis zu haben sind (wie geht das eigentlich?), habe ich mal gleich eines genommen, und zwar das nach Art des Hauses: Rumpsteak, 220 g, geschmolzene Zwiebeln, Kräuterbutter, Pommes frîtes. Dazu gibt es „scharfe Marmelade“, eine Sauce, eher ein Dip, die tatsächlich auf Balkanschärfe kommt, aber nicht unbedingt zu Steak passt.

Mein Steak bestellte ich wie immer medium rare, das ist ziemlich, aber nicht mehr ganz, blutig. In Deutschland ist diese Garstufe zwischen „englisch“ und „medium“ nicht überall bekannt. Das einzige Mal, dass ich tatsächlich ein perfekt gegrilltes Steak bekommen habe, war im Prachtstück gewesen. Und das gibt es nicht mehr.

Auch das Trocadero hat es nicht hinbekommen. Dennoch war das Steak okay, die Zwiebeln waren spitze und die Pommes schön knusprig, allerdings ein bisschen salzig.

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Der Oberhammer allerdings war der Nachtisch. Für 3,20 Euro gab es ein Riesenstück selbstgemachten Tiramisus. Unfassbar mächtig und unfassbar lecker. Dafür gibt es ausnahmsweise mal ein zweites Bild für das Etablissement.

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